Texte zum Downloaden:
Auf dieser Seite finden Sie in loser Regelmäßigkeit
Texte, Predigten oder Gedanken aus unseren Gottesdiensten,
nach denen ich gefragt wurde. Die Predigt-Skizzen aus den anderen
Gottesdiensten können Sie sich gern auch zusenden lassen.

Inhalt
(oben aktuell, nach unten hin älter werdend):
25: Download
der Impulse zur Adventszeit
2006
(a) und 2007 (b.) (bitte
klicken – es öffnet sich ein PDF-Dokument!)
24. „Fernseher Unser“ zur Predigt am 30.9.2007
23. Bericht vom Jakobsweg 2007 – hier klicken!
(PDF-Dokument)
22: Simone von Cyrene: aus der Kreuzwegserie
von Sieger Köder
21: „Eigentlich bin ich ganz anders“ – Hinweis auf eine geistliche Fastenaktion
20. Jenseitsvertröstung vs. Diesseitsvertröstung
19. Weihnachtspredigt 2006
18. Weihnachts-Bild von Beate Heinen zur Bußandacht im Advent
17. „Gesucht“ – von Peter Fuchs
16. Eugen Roth: Vom Glück des Brotes (20. August 2006)
15. Goethe: Zweierlei Gnaden (6. August 2006)
14. „Der Papst der Inhalte“ – Essay zum WJT 2005
13. Vortrag über Emmanuel Levinas von Timo Ogrzal, Hamburg
(im Rahmen unserer Veranstaltungs-Reihe „Annäherungen zum Judentum“): Zusendung
auf Anfrage an Pfarramt@t-online.de
12.
„Generation JP 2“ – Der Papst und die Jugend – ein Phänomen
11. Aus den Fastenimpulsen „40 Tage Richtung“
10. Chassidische Geschichte und Gedanken
vom ökum. Neujahrsempfang
9. Bild von Edvard Munch „Der Schrei“
8. „Dezember“ – von Erich Kästner
7. Das Märchen von Heinrich, dem
Weihnachtsengel
6. Gott am Rande – Predigt zum
Weihnachtsbild von Pieter Breughel d.J.
5. Glaube – Entdecke die Möglichkeiten –
Text zum FC-Brief am 3. Oktober 2004
4. „Einmal sollte man“ – von Mascha
Kaleko
3. Bild * Text
zum„funcity-Gemeindebrief“ am 31. Januar 2004:
2. „Sozusagen grundlos vergnügt“
1. „Ein Knick in der Biographie“
24. „Fernseher Unser“ zur Predigt am 30.9.2007
*~*~*~*~*~*~*

Fernseher unser
Fernseher unser,
der du bist im
Wohnzimmer,
gesehen werde dein
Programm,
deine Welt komme,
deine Manipulation
geschehe
in unserem Inneren,
wie auch dann in unserem
Verhalten.
Unsere tägliche Zeit nimm
uns heute.
Und vertreib uns unsere
Fantasie,
wie auch wir alles durch
dich erfahren.
Und führe uns nicht in
Versuchung
miteinander zu reden,
sondern erlöse uns vom
Stören der Nachbarn.
Programm Ende.
Von
Jugendlichen
*~*~*~*~*
23: zur Statio am Palmsonntag 2007: Bild von Simone von
Cyrene aus der Kreuzwegserie von Sieger Köder (die gesamten 14
Kreuzweg-Stationen in einer 11 MB (!) großen PDF-Datei sende ich Ihnen auf
Anfrage gern zu – bitte schicken Sie mir dazu eine Mail an meine Adresse Pfarramt@t-online.de - Das wunderbare Buch
mit den dazugehörigen Texten hat den Titel „Kreuzwegerfahrungen“ von Theo
Schmidkonz, ist erschienen im Schwabenverlag (und kostet 9,80 Euro).

22: „Eigentlich bin ich ganz anders“ – Hinweis auf eine
geistliche Fastenaktion
|
Andere Zeiten e.V. lädt ein zur Fastenaktion „7 Wochen anders leben“
ab 21. Februar |
|
Die Fastenzeit
beginnt – und jeder kann dabei sein. Gemeinsam geht es
leichter. Zum Thema „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so
selten dazu“ können Fastende sich dieser Aktion anschließen. Am
Aschermittwoch ist alles vorbei? Falsch. Da geht es erst los: Hunderttausende
evangelischer und katholischer Christen fasten. Sieben Wochen lang verzichten
sie auf eingefahrene Gewohnheiten – Alkohol, Zigaretten oder Süßes – und
schaffen Raum für Neues. Andere Zeiten e.V.
|
21: Jenseitsvertröstung vs.
Diesseitsvertröstung…
|
Laßt euch nicht
verführen! aus: Bert Brecht,
Gesammelte Werke, Suhrkamp Verlag, FFM 1967 |
Hans Küng Laßt euch nicht verführen! aus: Hans Küng, Ewiges Leben?, Piper Verlag GmbH, München 1982, S. 63f. |
20. Weihnachtspredigt 2006
Gott möchte in unserer Haut stecken –
Gedanken zum Weihnachtsfest 2006, Adendorf + Lüneburg

Liebe Schwestern und Brüder, es gibt
so einen Satz im Deutschen, einen Gedanken, der uns allen vertraut ist. Den
Gedanken: „Du, in deiner Haut möchte ich
nicht stecken.“ Wenn wir so sprechen, dann bedauern wir jemanden, wollen
ihn vielleicht trösten, ihm sagen: Du, ich sehe, dass du Probleme hast, und ich
weiß auch nicht, was ich dir jetzt raten kann. „Du, in deiner Haut möchte ich
nicht stecken.“ Meistens aber sagen wir das gar nicht, weil es ja so
eine Spur von Egoismus in sich hat, sondern wir denken es nur im
Stillen: „In seiner, in ihrer Haut möchte ich nicht stecken.“ Wir vergleichen
uns mit dem Unglücksraben und kommen zum Schluss: Mir geht es zum Glück besser.
„In deiner Haut möchte ich nicht stecken.“
Wir Christen aller Konfessionen feiern Jahr für Jahr das Gegenteil dieses
Satzes. Wir feiern an Weihnachten, dass Gott gesagt hat: „Du Mensch, in deiner
Haut möchte ich stecken.“ Und Gott möchte es nicht nur. Er tut
es. Das feiern wir Weihnachten.
Gott steckt sich in die Haut eines Menschen, eines Kindes. Und er ist wie jedes
kleine Kind total angewiesen darauf, dass sich andere um ihn kümmern. Wie jedes
Kind ist dieses Kind in der Krippe angewiesen auf uns, auf unsere Nähe, auf
unsere Fürsorge und Pflege. Das ist die schöne und zugleich schwer zu fassende
Botschaft von Weihnachten! Denn das ist ja so ganz anders, als wir es
normalerweise von Gott erwarten. Wir fühlen uns angewiesen auf ihn, aber
er dreht den Spieß um und lässt uns, wenigstens einmal im Jahr, darüber
nachdenken, dass unser Denken und Glauben ergänzt
werden muss um den Gedanken: Gott ist angewiesen auf uns.
Wir feiern an Weihnachten, dass Gott sich so und nicht anders in das Leben von
uns Menschen eingemischt hat. „Du Mensch, in deiner Haut möchte ich stecken.“
Hören wir diesen Satz nicht als irgendeine eine allgemeine Aussage über das,
was einmal vor zweitausend Jahren geschah, als eine theologische,
philosophische, fromme Überlegung. Sondern hören wir das auf uns bezogen, auf
jeden einzelnen von uns, ganz persönlich. „Du, N.N., in deiner Haut möchte ich
stecken.“ In deiner Haut stecke ich. In der Haut, in der du dich
manchmal gar nicht wohl fühlst – ich bin da.
“Ich bin da“ - Gott hat diesen Namen ja schon viele hundert Jahre vor Christus
dem Mose offenbart in dieser Geschichte vom brennenden Dornbusch. „Wer bist du?
Wie heißt du?“, wird er gefragt, und er sagt: „Mein Name ist JHWH“ – also
übersetzt: „Ich bin der Ich bin da“ – Ich bin der, der da ist. In deiner Haut
zu finden. Aber haben die Menschen das wirklich verstanden? Brauchte es nicht
diesen zweiten Anlauf? Haben wir Menschen ihn nicht durch Jahrhunderte – bis
heute! – weiterhin da gesucht, wo er gar nicht ist? Oben im Himmel? Unfindbar?
Nichts wirklich zu tun habend mit dem, was (in Anführungszeichen) „hier unten“
ist? Nichts wissend um mich und meine Haut? Und das, was mir unter der Haut
steckt?
In Bethlehem gibt es diese Kirche,
die um den Geburtsort Jesu herum gebaut wurde, und in der sich die
Geburtsgrotte befindet. In dieser Geburtsgrotte wurde das Bethlehem-Licht
entzündet, das heute auf alle Kerzen dieser Kirche übergegangen ist. In dieser
Geburtsgrotte ist in den Boden ein Stern eingelassen mit dem lateinischen Wort
„HIC“ – also „Hier“. Hier ist Gott Mensch geworden. Und in der Mitte dieses
Sterns ist ein goldener Spiegel. Wer an diesen Spiegel drankäme, um in ihn
hineinzuschauen, würde in ihm – sich selber sehen. So, wie er oder sie nun
einmal ist.
“Du, Mensch. In deiner Haut möchte ich
stecken. In deinem Leben möchte ich geboren werden. Hic - Hier - Heute.“
Man kommt aber so weit gar nicht ran. Und in die Geburtskirche selbst kommt man
auch nur mit Mühe, denn, wer schon einmal da war, weiß es: die Tür zu diesem
Ort ist nur einen Meter hoch. In früheren Jahrhunderten haben die Christen die
einstmals ganz hohe Pforte extra so verkleinert, weil sie Sorge hatten,
irgendwelche Eroberer könnten sonst versucht sein, auf ihren Pferden in diese
Kirche hineinzureiten.
Nein, da passt kein Pferd durch! Da musst du absteigen von deinem hohen Ross!
Da musst du dich bücken, dich selber ganz klein machen, um hineinzukommen. Da
musst du selber, wenigstens in einer äußeren Geste, das tun, was Gott getan
hat, als er sagte: „Du Mensch, in deiner
armseligen Haut
möchte ich stecken.“
*~*~*~*~*
19. Weihnachts-Bild von Beate Heinen zur Bußandacht im
Advent

18. Gesucht: von Peter
Fuchs
gesucht:
menschen
die gerade sind
krumme
gibt es schon
menschen
die sich erbarmen
die wegschauen
gibt es schon
menschen
die mauern opfern
maueropfer
gibt es schon
menschen
die ums tägliche brot bitten
die es sich täglich nehmen
gibt es schon
menschen
die ihr leben ins spiel bringen
die mit dem leben andrer spielen
gibt es schon
menschen
die aufstehen gegen gewalt
die auf gewalt stehen
gibt es schon
menschen
die einander aufrichten
die einander richten
gibt es schon
menschen
die den mut haben zu dienen
herren
gibt es schon
menschen
die für den frieden leben
die für kriege sterben
gibt es schon
menschen
die neu anfangen
die fertig sind
gibt es schon
gibt
es
schon
genug
Peter Fuchs-Ott in: Gemeinsam
entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen. Herausgegeben von Marcus
Leitschuh und Cornelia Pfeiffer. Bonifatius Verlag Paderborn / Verlag Otto
Lembeck Frankfurt am Main 2003.
*~*~*~*~*~*~*
17. Eugen Roth: Vom Glück des Brotes
„Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not
von Nichts zum ersten Stückchen Brot.
Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser:
Der Mensch entwickelt sich zum Fresser
Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer
Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.
Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:
Vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.
Beim Brot, so meint er, war das Glück.
Doch findet er’s nicht mehr zurück.“
*~*~*~*~*~*~*~*
16: Goethe:
Zweierlei Gnaden
Im Atemholen
sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehn, sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich presst,
Und danke ihm, wenn er dich wieder entlässt.
(Goethe)
*~*~*~*~*~*
15. „Der Papst der
Inhalte“ – Artikel zum WJT 2005
Rom. Die katholische Kirche hat eine neue Richtung eingeschlagen.
Sie hat dabei zwar nicht ihre Botschaft, wohl aber ihre Methode geändert. Sie
trägt jetzt das freundliche, aber gleichzeitig bestimmte Gesicht Joseph
Ratzingers, nicht mehr die weichen, manchmal auch ohne Worte auskommenden Züge
Karol Wojtylas.
Benedikt XVI. ist ein Papst der Inhalte, einer, der inmitten des ausgelassenen
Happening-Klimas beim Weltjugendtag in Köln von den Glaubensinhalten des
christlichen Lebens erzählte. Vielleicht ist gerade das seine Stärke: dass die
Jugendlichen wieder zuhören, nachdenken, verstehen lernen. „Ich weiß, dass Ihr
als junge Menschen das Große wollt, dass Ihr Euch einsetzen wollt für eine
bessere Welt. Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf dieses
Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet.“ Mit solchen Sätzen eroberte der
Kirchenführer bei der Abschlussmesse die Herzen seiner Zuhörer. Es war
gleichsam eine Aufforderung, die persönlichen Erfahrungen des Weltjugendtages
in die Welt, in ihre Heimatländer, zu tragen. Denn Benedikt weiß wohl, welch
schwere Probleme auf der Kirche lasten: leere Bänke am Sonntag, viele
Kirchenaustritte, ein überalterter Klerus.
Doch ob die Botschaft des Weltjugendtags daran nachhaltig etwas ändern kann,
ist fraglich. Denn diejenigen, die nach Köln gepilgert sind, muss kein Papst
mehr überzeugen – sie sind ohnehin gläubig. „Die Ent-Christianisierung
überwindet man nicht mit dem Applaus derjenigen, die schon überzeugt sind“,
brachte es der „Corriere della Sera“ auf den Punkt. Auf stürmischen Applaus
legte der neue Pontifex denn auch bei seinem bisher größten Auftritt vor einer
Million Gläubiger keinen Wert. Im Gegenteil: Er nutzte seine Chance, die jungen
Zuhörer mit anspruchsvollen Worten zum Schweigen, zum Zuhören zu bringen. Was
die Teilnehmer dieses Weltjugendtages mit nach Hause nehmen, ist nicht nur die
vage Erinnerung an ein wenige Tage dauerndes Zusammengehörigkeitsgefühl, es
sind Ideen, Sätze aus der Bibel, die zum Nachlesen und Nachdenken anregen.
Das wohl größte Verdienst von Johannes Paul II. war es, die Massen wieder für
die katholische Kirche zu bewegen. Ratzinger kann auf dieses Erbe bauen, die
Massen kommen heute von allein – vielleicht, weil sie dank Wojtyla verstanden
haben, dass der Glaube in einer orientierungslosen, von Ängsten und Terror
geplagten Welt ein Gefühl des Nicht-Alleinseins vermitteln kann. Und genau an
diesem Punkt setzt Benedikt an: Die wichtigste Aufgabe sei es jetzt, als Kirche
zukunftsoffen zu sein, forderte er von den Bischöfen. „Die jungen Leute suchen
nämlich keine künstlich sich jung gebende Kirche, sondern eine Kirche, die jung
ist im Geist, eine Kirche die Christus, den Neuen Menschen, durchscheinen
lässt“, so der Papst.
Den Jugendlichen gab er in diesem Sinne gleich Anweisungen mit auf den Weg.
„Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen,
an den Leidenden nicht vorbeigehen“, forderte er. Da brandete Applaus auf. Es
sei viel schöner, gebraucht zu werden „und für die anderen da zu sein, als nur
nach den Bequemlichkeiten zu fragen“. Einfache Worte, klare Anleitungen zum
christlichen Alltagsleben waren das.
Carola Frentzen
*~*~*~*~*~*
14. Den Vortrag zu Emanuel Levinas aus unserer Reihe „Annäherungen“
senden wir Ihnen auf Anfrage gern als Datei zu. Bitte schicken Sie uns
dazu kurz eine Mail an Pfarramt@t-online.de
*~*~*~*~*~*
13.
„Generation JP 2“ – Der Papst und die Jugend – ein Phänomen
Wenn man in Polen junge Leute fragt, was der Papst für sie bedeutet hat, kommt
häufig die kurze Antwort: "Alles." Hakt man nach, kommt meist nicht
viel mehr. Fragt man sie, warum sie zu den Totenmessen gehen und stundenlang
den Rosenkranz oder den Kreuzweg beten, so bekommt man zu hören: "Weil wir
ihn lieben." Was sie an ihm lieben, darüber sagen sie nicht viel.
Neuer Glaubensschub
Ihnen geht es wie vielen Polen. Sie glaubten ihm, ohne seine Lehre zu
kennen. Sie verehrten ihn, ohne seine Moral zu befolgen. Sie applaudierten ihm,
hatten jedoch Sex vor der Ehe und die Antibabypille in der Tasche. Sie waren
fasziniert, ohne wirklich Gründe nennen zu können. "Wir beklatschten ein
Bild, ohne seine Worte ernst zu nehmen", schrieb die junge polnische
Autorin Dorota Maslowska, 22, ("Schneeweiß und Russenrot") in einem
Beitrag für die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Doch nur wenige
Tage nach dem Tod des Papstes zeigt sich ein anderes Bild. Zusätzlich beflügelt
von seinem Wort vom Totenbett - "ich habe euch gesucht. Jetzt seid ihr zu
mir gekommen. Und ich danke euch" - geht der neue Glaubensschub einher mit
Reflexion: Die Jugend weiß genau, um wen und was sie trauert.
"Bis zum Ende jung im Geist"
Kasia, Schülerin in einem Krakauer Gymnasium, sagt: "Keiner konnte wie
der Heilige Vater mit uns reden: ehrlich, direkt, bis zum Ende jung im
Geist." Und Pawel, ein Schüler aus Oswiecim (Auschwitz): "Man muss
nicht katholisch sein, um die Taten des Papstes schätzen zu können. Er lehrte
uns, wie man den Anderen respektiert, unabhängig davon, welchen Glaubens oder
welcher Rasse sie sind. Er zeigte uns, dass man Gott überall finden kann."
Er selbst sei kein praktizierender Christ, sagt Pawel, er gehe nicht zur
Kirche, die vergangenen Tage hätten ihn jedoch Gott näher gebracht. Eine
Studentin gesteht, sie habe anlässlich des Todes Johannes Pauls II. zum ersten
Mal in ihrem Leben das "Ave Maria" rezitiert. Auf einem Trauerzug
durch die Straßen Krakaus lernte sie die frommen Gesänge.
Worte des verstorbenen Papstes:
"Nennt mich
einfach Karol"
Papst Johannes Paul II. hat sich zu Glaubensfragen sowie zu sozialen und
politischen Themen geäußert. Hier einige Zitate seit seiner Wahl zum Papst
1978:
"Ich hatte Angst,
diese Wahl anzunehmen, aber ich tat es im Geist des Gehorsams..."
(Rom, 16. Oktober 1978, nach der Papstwahl)
"Ich bete für den
Bruder, der mich verwundet hat und dem ich aufrichtig vergeben habe."
(Krankenhaus in Rom, 17. Mai 1981, vier Tage nach dem Attentat auf dem
Petersplatz)
"Die Frauen sind
nicht zum Priestertum berufen."
(Los Angeles, 16. September 1987)
"Heute stehen wir
vor den Ruinen eines der vielen Türme von Babel in der Geschichte der
Menschheit... Der Anspruch, eine Welt ohne Gott zu errichten, hat sich als
illusorisch erwiesen."
(Prag, 21. April 1990, zum Untergang des Kommunismus)
"Nie wieder Krieg,
dieses ausweglose Abenteuer; nie wieder Krieg, diese Spirale von Trauer und
Gewalt; nicht dieser Krieg im Persischen Golf..."
(Rom, 16. Januar 1991, zum Ausbruch des Golfkrieges)
"Das Zölibat muss
also als unschätzbares Geschenk Gottes ... in freier und von Liebe getragener
Entscheidung angenommen und unablässig erneuert werden."
(Rom, 25. März 1992, Apostolisches Schreiben "Pastores Dabo Vobis")
"Nennt mich einfach
Karol!"
(Manila, 14. Januar 1995, zu jugendlichen Gläubigen)
"Auch wenn der
Papst von Natur aus eher nachgiebig ist, muss er streng sein, wenn es um
Prinzipien geht."
(Rom, 6. März 1994)
"Abtreibung und
Euthanasie sind also Verbrechen, die für rechtmäßig zu erklären sich kein
menschliches Gesetz anmaßen kann."
(Rom, 30. März 1995, Enzyklika "Evangelium Vitae")
"Die Menschenrechte
sind das Fundament jeder Zivilisation: Diese Überzeugung habe ich aus Polen
mitgenommen, von den Auseinandersetzungen mit dem sowjetischen System und dem
kommunistischen Totalitarismus."
(Auf dem Flug nach Havanna, 21. Januar 1998)
"Haben die Christen
den Juden jeden möglichen Beistand gewährt? Viele taten es, andere aber
nicht... Wir bedauern zutiefst die Fehler und das Versagen dieser Söhne und
Töchter der Kirche."
(Rom, 16. März 1998, Vatikan-Dokument "Wir erinnern uns, Nachdenken über
die Shoa")
"Die Wahrheit ist
kein Produkt einer Kirche von unten, sondern sie kommt von oben, von
Gott."
(Rom, 20. November 1998)
"Ich bin nach Yad
Vaschem gekommen, um der Millionen zu gedenken, denen alles geraubt wurde, vor
allem ihre menschliche Würde, und die im Holocaust ermordet wurden."
(Jerusalem, 23. März 2000)
"Die Spirale des
Hasses und der Gewalt darf nicht weitergehen."
(Rom, 12. September 2001, nach den Terroranschlägen in den USA)
"Der Krieg der
Mächtigen gegen die Schwachen hat heute mehr als früher tief greifende Spaltungen
zwischen Reichen und Armen aufgerissen."
(Rom, zum 25-jährigen Amtsjubiläum im Papst-Schreiben "Die Hirten der
Herde")
"Ich teile mit Euch
eine Zeit des Lebens, die von physischer Krankheit gekennzeichnet ist... Liebe
Brüder und Schwestern, ich möchte Euch alle in die Arme schließen, einen nach
dem anderen."
(Lourdes, 14. August 2004, zu Kranken und Behinderten)
*~*~*~*~*~*

Als die britische Zeitschrift „Times“ vor einiger Zeit eine Reihe von hochgestellten Autoren um Beiträge zu dem Thema „Was ist faul an dieser Welt?“ bat, schickte der Vater der Romanfigur von Pater Brown, Gilbert Chesterton, die kürzeste und treffendste Antwort ein:
„Sehr
geehrte Damen und Herren:
Ich.
Ihr sehr
ergebener
G.K.
Chesterton”
*~*~*~*~*~*
Liebe Jugendliche,
liebe Gastleser unseres Gemeindeimpulses,
was ich an der Antwort dieses Autors so erfrischend ehrlich, lustig und
zugleich nachahmenswert finde: Keine Ausflüchte. Kein Abschieben der
Verantwortung auf andere oder auf Strukturen oder auf weiß Gott was. Sondern
ein klares Eingeständnis: Faul an dieser Welt? – Ich! Das braucht schon
Mut! Vielleicht ein ganz guter, aufrüttelnder Gedankenimpuls für einen weiteren
Morgen der Fastenzeit. Wie sieht’s aus mit *meiner* Welt – was ist „faul“ daran?
Ich musste an ein altes Gebet denken, das mir wichtig geworden ist: „Herr,
erneuere deine Kirche – und fange bei *mir* an.“ Einen gesegneten Donnerstag
und Mut zum Eingestehen eigener Mängel und Unvollkommenheiten (nobody is
perfect!) wünscht Euch
Euer Stefan Lampe
PS: Die täglichen Kurz-Impulse von Pfr. Lampe für die Fastenzeit 2005 könnt Ihr
abonnieren durch eine Mail an Pfarramt@t-online.de mit dem Betreff „40 Tage Richtung“
*~*~*~*~*~*
10. Chassidische Geschichte und Gedanken
vom ökum. Neujahrsempfang
Die Juden in
Krakau waren bitter arm. Dennoch hätten sie gerne ein eigenes Bethaus gehabt.
In diesen Jahren der Not nun war ihrem Rabbi Eisik, dem Sohn des Rabbis Jekel,
im Traum geraten worden, nach Prag zu gehen. Dort solle er unter der Brücke,
die zum Königsschloss führt, nach einem Schatz graben. Als der Traum zum
dritten Mal wiederkehrte, zögerte Rabbi Eisik nicht länger. Er machte sich auf
den weiten Weg nach Prag. Dort aber fand er die Brücke, die zum Königsschloss
führte, Tag und Nacht von Wachen besetzt, und er sah keine Chance, unter ihren
Bögen zu graben. Doch kam er jeden Morgen her und umwanderte die Brücke bis zum
Abend. Das machte den christlichen Hauptmann der Brückenwache aufmerksam. Was
er hier suche oder erwarte, wollte der wissen. Rabbi Eisik fasste sich ein Herz
und erzählte, welcher Traum ihn nach Prag geführt hatte. Der Hauptmann hörte es
staunend und lachte: "Und da hast du dich eines Traumes wegen aufgemacht?
Da hätte ich ja meinerseits aufbrechen müssen, träumte mir doch, ich solle in
Krakau in der Stube eines Juden, Eisik mit Namen, Sohn Jekels, nach einem
Schatz hinterm Ofen suchen. Da wäre ich schön blöd, wenn ich dort, wo die eine
Hälfte der Juden Eisik, und die andere Jekel heißt, Haus um Haus
aufreiße!" Und er lachte. Rabbi Eisik aber verneigte sich, wanderte heim,
und hob den Schatz.
*~*~*~*~*~*
Soweit diese Geschichte. Man könnte sie ganz platt übersetzen mit einem
Gedanken aus dem deutschen Volksmund: „Warum denn in die Ferne schweifen –
sieh, das Gute liegt so nah“. Aber das ist es noch nicht. Der lange Weg des
Rabbi nach Prag, die Reise ins Ausland, das Warten an der Brücke, das Gespräch
mit dem Christen è ist nötig! Man könnte sagen: ZUM
FINDEN DES SCHATZES BRAUCHT ES DEN UMWEG! Das ist ja auch unsere
Lebenserfahrung. Ich habe gestern abend mit einem unserer Jugendlichen aus
Lüneburg telefoniert, der im Moment die elfte Klasse in den USA verbringt.
Machen ja jetzt viele. Er hatte sich riesig auf Amerika gefreut, und jetzt sagt
er: „Ist schon alles okay hier, aber wenn ich wieder nach Hause komme, werde
ich erst wissen, wie gut ich es in Deutschland habe“. Auch da: Der Umweg ist
nötig, die Reise ins Ausland, das Gespräch mit dem anderen. In der
chassidischen Geschichte braucht der Jude den Hinweis des Christen. Er verneigt
sich vor dem Hauptmann, bevor er heimgeht, weil der ihm mehr oder weniger
unbewusst verraten hat, wo der Schatz liegt.
è Vielleicht darf man das ummünzen?: braucht nicht der
Katholik im ökumenischen Miteinander immer wieder den Hinweis des
Evangelischen: „Du hast in deiner Konfession einen Schatz!“, und braucht nicht
der Evangelische auch immer wieder den Hinweis des Katholen, um bei sich selbst
einen Schatz wahrnehmen zu können? Braucht es nicht auch in der Ökumene die
Wanderung ins Ausland, das Warten, den Umweg?
Der Jude sagt zum christlichen Hauptmann: Du hast bei dir einen Schatz. Der
Hauptmann sagt zum Rabbi: Du hast bei dir einen Schatz. Vom Rabbi wissen wir,
dass er ihn hebt. Vom Hauptmann wissen wir nur, dass er so seine
Schwierigkeiten hat, Träumen zu trauen. Aber wer weiß, vielleicht greift er am
Ende doch noch zur Schaufel? Das bleibt offen.
Man darf die Geschichte sicher nicht überstrapazieren, aber ich fänd’s ja
nochmal interessant, zu fragen, wer von uns Rabbi Eisik ist und wer der
Hauptmann? Trauen wir uns in unseren Konfessionen das Träumen überhaupt noch
zu? Sind wir da nicht sowohl als Katholiken wie als Protestanten etwas
schwachbrüstig geworden? Suchen wir überhaupt noch nach einem Schatz, oder
begnügen wir uns mit dem Klein-Klein des eben gerade so Machbaren? Gut, die
Frage kann man gar nicht beantworten; vielleicht reicht es, sie wachsam im Auge
zu behalten.
è Das Gleichnis vom Schatz im Acker. Der wird *nicht*
gehoben, sondern erstmal wieder verbuddelt. Der Mann, der ihn findet, weiß: Ich
kann den Schatz nur dann in meinen Besitz bringen, wenn ich den ganzen Acker
kaufe. Das macht er. Dafür setzt er sein ganzes Vermögen ein. Aber was dann?
Wir verstehen das natürlich als Menschen unserer Zeit:
Der wird wieder hingehen nach dem Kauf, den Schatz heben – und dann ist er ein
gemachter Mann. Aber ist das die Erzählabsicht des Gleichnisses? Soll uns hier
gesagt werden, wie man gut spekuliert und reich wird? Nach heutigen Maßstäben
würde der Mann wahrscheinlich auch im Gefängnis landen, weil er sein
Insiderwissen nutzt.
Es bleibt offen, ob er den Schatz hebt oder nicht. Es geht in diesem Gleichnis
um das Himmelreich. Das ist wie ein Schatz im Acker. Kann man vielleicht frei
übersetzen: Gott ist im Acker deines Lebens zu finden. Ich kann dieses
Himmelreich nur dann besitzen, ich kann Gott nur dann finden, wenn ich zum
ganzen Acker ja sage. Zum Acker meines Alltags, in dem oft so wenig von einem
Schatz zu spüren ist, so wenig von Gott; in dem es, wie das eben auf Äckern
ist, meistens um Arbeit geht und Erde und nicht um anderes, außergewöhnliches.
Kalenderblatt:
„Im Acker einen Schatz zu wissen, macht auch die Krume wertvoll.“
*~*~*~*~*~*~*~*~*
9. Bild von Edvard Munch „Der Schrei“ und Gedanken
zur Flutwelle

Dieses
so bekannte Bild von Edvard Munch hat in diesen Tagen eine schreckliche
Aktualität bekommen. Der stumme Schrei und das Entsetzen auf dem Gesicht des
Menschen im Vordergrund erinnert uns an den Schrei und das Leid so vieler Menschen,
deren Bilder wir täglich im Fernsehen und in den Zeitungen sehen. Das Ufer
rechts des Steges droht von einer gewaltigen Welle verschlungen zu werden. Am
Strand ahnt man noch Urlauber unter einem Sonnenschutz, und denkt an die
Menschen, die vom Strand weg aus Sorglosigkeit heraus in den Tod gerissen
wurden. Und am Ende des Steges zwei
Passanten, in Sonntagskleidung, am Flanieren auf der Strandpromenade.
Das Bild zeigt eine ungeheure innere
Spannung zwischen blankem Entsetzen und dem ruhigen Weiterlaufen der Dinge
unseres Alltags. Dieser Spannung sind wir alle in diesen Tagen ausgesetzt.
Weihbischof Hans-Georg Koitz aus Hildesheim, der im Moment unser Bistum leitet,
hat den Pfarreien unserer Diözese gestern einen Aufruf zugesandt, den wir Ihnen
hier weitergeben möchten. Hier der Wortlaut:
*~*~*~*~*
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbrüder,
erst langsam wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar, die im
südasiatischen Raum von dem schweren Seebeben im Indischen Ozean am Zweiten
Weihnachtstag ausgelöst worden ist. Mehrere Zehntausend Männer, Frauen und
Kinder sind ihr zum Opfer gefallen. Die Opferzahlen steigen. Millionen Menschen
sind obdachlos und leiden an den Folgen dieser Naturkatastrophe.
Unsere Anteilnahme können wir durch das Gebet und durch konkrete Hilfe zum
Ausdruck bringen. Mit den Überlebenden sind wir in der Trauer um die Toten
verbunden. Ihnen gilt unser fürbittendes Gebet und unser Gedenken in den
Gottesdiensten der nächsten Tage.
Die Überlebenden brauchen in den kommenden Wochen und Monaten dringend unsere
geschwisterliche und großherzige Hilfe. Inzwischen ist die internationale
Katastrophenhilfe in Gang gekommen. Von Seiten der Kirche in Deutschland sind
vor allem Caritas International (Freiburg) und der Malteser Hilfsdienst daran
beteiligt. Sie können sich dabei auf die einheimischen Caritas-Organisationen
vor Ort stützen.
Die Gläubigen aller deutschen Diözesen sind zu einer Sonderkollekte in den
Gottesdiensten am Neujahrstag, dem 1. Januar, und am 2. Sonntag nach Weihnachten,
dem 2. Januar 2005, für die Opfer dieser Flutkatastrophe aufgerufen. Alle
eingehenden Mittel werden der Not- und Katastrophenhilfe von Caritas
International zur Verfügung gestellt. Ihre Verteilung wird der Katholische
Arbeitskreis Not- und Katastrophenhilfe übernehmen, dem verschiedene Hilfswerke
angehören.
Im Namen der Opfer und aller Betroffenen danke ich Ihnen jetzt schon mit einem
herzlichen „Vergelt’s Gott“. Auch so können wir das Leitwort des Heiligen
Vaters zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2005 in die Tat umsetzen: „Lass dich
nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm
12,21).
Mit herzlichen Segenswünschen
Ihr
Hans-Georg Koitz
Weihbischof von Hildesheim
*~*~*~*~*~*
8. „Dezember“ – von Erich Kästner
Der Dezember
Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.
Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.
Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.
Und wieder stapft der Nikolaus
Durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
Der goldengrüne Baum.
Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
Und glaubst nicht mehr an ihn.
Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“
Erich Kästner, in: Morgen, Kinder, wird’s was geben.
Gedichte zur Weihnachtszeit, Berlin: Aufbau Verlag 2001.
*~*~*~*~*~*
7. Das Märchen von Heinrich, dem Weihnachtsengel
Als ich im letzten Januar meine Krippe und die fünf Weihnachtsengel wieder
einpackte, behielt ich den letzten in der Hand. „Du bleibst“, sagte ich, „ich
brauche ein bisschen Weihnachtsfreude für das ganze Jahr.“ „Da hast du aber
Glück gehabt“, sagte er. „Wieso?“, fragte ich ihn. „Na, ich bin doch der einzige
Engel, der reden kann.“ Stimmt! Jetzt erst fiel es mir auf, ein Engel, der
reden kann! Da hatte ich wirklich Glück gehabt! „Wieso kannst du eigentlich
reden? Das gibt es doch sonst gar nicht!“„Doch, das ist so. Nur wenn jemand
nach Weihnachten einen Engel zurückbehält, - nicht aus Versehen, sondern wegen
der Weihnachtsfreude, wie bei dir, - dann können wir reden. Aber es kommt
ziemlich selten vor. Übrigens, ich heiße Heinrich!“
Seitdem
steht Heinrich in meinem Wohnzimmer im Regal.
In den
Händen trägt er seltsamerweise einen Müllkorb. Heinrich steht gewöhnlich still
an seinem Platz, aber wenn ich mich über irgend etwas ärgere, hält er mir
seinen Müllkorb hin und sagt: „Wirf rein!“ Ich werfe meinen Ärger hinein – und
weg ist er. Manchmal ist es nur ein kleiner Ärger. Es kann aber auch ein
größerer Ärger sein oder eine Not oder ein Schmerz, mit dem ich nicht fertig
werde.
Eines Tages fiel mir auf, dass Heinrichs Mülleimer immer gleich wieder leer
war. Ich fragte ihn: „Wohin bringst du das alles?“ „In die Krippe“, sagte er.
„Ist denn soviel Platz in der kleinen Krippe?“ Heinrich lachte. „Pass auf! In
der Krippe liegt ein Kind, das ist noch viel kleiner als die Krippe. Und sein
Herz ist noch viel kleiner. Und deinen Kummer lege ich in Wahrheit immer in das
Herz dieses Kindes. Verstehst du das?“ Ich dachte lange nach. „Das ist schwer
zu verstehen. Und trotzdem freue ich mich, - komisch, nicht?“ Heinrich runzelte
die Stirn. “Das ist gar nicht komisch, sondern genau das ist doch die Freude
von Weihnachten, verstehst du?“
Auf einmal
wollte ich Heinrich noch vieles fragen, aber er legte den Finger auf den Mund.
„Psst“, sagte er, „nicht reden! Nur sich freuen!“
*~*~*~*~*~*
6. Gott
am Rande finden –
Weihnachtspredigt zum Bild „Anbetung der
Könige“ von Pieter Breughel d.J.

Die
Deutsche Post hat zu diesem Weihnachten ein schönes Plakat herausgebracht und
auf ganz viele Litfasssäulen geklebt. Da heißt es: „Weihnachten, das Fest der Briefe.“
Ich finde das Plakat ganz gut gemacht, denn es stimmt ja. Weihnachten ist für
viele Menschen ein Fest der Briefe oder doch zumindest der Karten. Selten im
Jahr wird so viel geschrieben wie vor Weihnachten, manchmal schon fast unter
einem Druck (mit dem Seufzer „Hoffentlich habe ich jetzt niemanden vergessen“),
aber doch meistens einfach mit Freude.
Man denkt
aneinander.
Wenigstens einmal im Jahr.
Fragt sich ja nicht nur:
Wem muss ich schreiben,
sondern:
Wer ist mir in meinem Leben wichtig?
Wer ist meine Familie?
Wer sind eigentlich meine Freunde?
Wem sollte ich mal wieder sagen:
Du, ich hab’ Dich nicht vergessen.
Für mich
ist das Briefeschreiben vor und nach Weihnachten immer eine Gelegenheit, mich
an den Reichtum zu erinnern, der nichts mit meinem Bankkonto zu tun hat.
Sondern mit dem Reichtum, der darin besteht, mit anderen Menschen in Kontakt zu
sein. Weihnachten – das Fest der Briefe.
Und damit eben auch das Fest der Liebe. Denn was transportiert so ein Brief
anderes, als eine Botschaft der Liebe – mehr oder weniger stark. Du bist mir
wichtig – du spielst für mich eine zentrale Rolle – ich lasse dich Anteil
nehmen an meinem Leben! Man könnte vielleicht auch sagen: „Weihnachten, das
Fest DES Briefes.“ - eines Briefes von Gott, der der seiner Schöpfung und auch
mir persönlich sagt: „Du bist mir wichtig, du bist nicht allein, niemals, nicht
einen Augenblick.“
Ich habe
einen Brief bekommen, der ist mir so unter die Haut gegangen, dass ich meine
Weihnachtspredigt in den Papierkorb geworfen habe. Ich habe mir vorhin
vorgenommen, Ihnen einfach etwas von diesem Bild zu erzählen. Es ist von Peter
Breughel, das war niederländischer Maler, es wurde so um 1630 gemalt; steht
hinten drauf, da steht auch der Titel: „Suchbild:
Anbetung der Könige“. Aber wo? Ich hatte Schwierigkeiten, das überhaupt
zu entdecken. Das Bild zeigt den ganzen Trubel einer mittelalterlichen Stadt im
Winter. Da stapfen Pferde durch die Bildmitte, Leute drängen sich um eine
Prozession von Kaufmännern, andere schleppen ihre Lasten über den Dorfplatz,
jemand schöpft Wasser aus einem Eisloch im Bach, andere schneiden Reisig,
sitzen um ein Feuer an der Mauer der verfallenen Kirche, ein Kind rodelt mit
einem Schlitten einen Abhang herunter. Die Menschen sind mit allem Möglichen beschäftigt.
Man kann sich in dem Vielerlei verlieren, bis man, eher zufällig, ganz links am
Rande die Heilige Familie entdeckt. Tatsächlich, so wie man sich’s vorstellt:
In so einem Schuppen, halb verfallen, mit offenem Dach, aber eben - ganz am
Rande! Nicht im Zentrum des Bildes. Nicht da, wo man zuerst hinguckt und alles
deutlich sieht, sondern ganz klein, gerade eben noch zu erkennen. Ich hätte das
nie bemerkt, hätte das Bild einfach für eine Winterszene gehalten, wenn da
nicht hinten auf der Karte draufgestanden hätte: è „Suchbild“.
è Weihnachten dargestellt als
Suchbild! è Man muss das Weihnachtsgeschehen
suchen!
Mich hat die Botschaft dieses Bildes ganz tief angerührt. Das war
offensichtlich also schon vor 400 Jahren so wie heute: Du kannst das Wesentliche
übersehen! Der Künstler wollte mit seinem Bild etwas aussagen: Es passiert am
Rande der *heutigen* Zeit, nicht in einem Bild von damals, und auch nicht im
Zentrum! Die Menschwerdung Gottes, der Kernpunkt unseres Glaubens, geschieht
auf diesem Gemälde mitten drin in einem Bild des Alltags, unauffällig, und: am
Rande. Heute haben wir den Stall und die
Krippe in den Mittelpunkt gerückt, aber was wir heute hervorgehoben feiern,
geschah damals ganz und gar nicht im Zentrum, sondern am Rand: ganz am Rand der
Welt, ganz am Rand der großen Politik,, ganz am Rand eines Volkes, ganz am
Rande des Lebens der meisten Menschen. Vor den Toren der Stadt Bethlehem, also
von den allermeisten unbemerkt. Damals wie heute. Und dennoch ist es in deinem
Lebensbild drin.
Morgen, am
eigentlichen Weihnachtsfest, wird in der
Messe wieder der Beginn des Johannesevangeliums verlesen: Im Anfang war das
Wort …, - kennen wir ja alle. Und weiter unten heißt es: Das wahre Licht, das
jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, … aber die Welt
erkannte ihn nicht. Es geht also darum, Gott zu erkennen. Das Wichtige am
Weihnachtsfest springt nicht direkt in unser Auge. Um es wahrzunehmen, muss ich
liebevoll mein eigenes Lebensbild absuchen. Auch und gerade am Rand. Denn Gott
kommt als echter Mensch, zu menschlichen Nachbarn, in unseren Alltag. Das
ernstzunehmen, hat erstaunliche Konsequenzen. Zwei möchte ich Ihnen mitgeben
nach Hause in Ihre persönliche Heilige Nacht:
1.)
Dass
Weihnachten sich am Rande ereignete, kann uns ermutigen, auf das am Rande und
auf die am Rande zu achten. Das, was sich bei uns mächtig in die Mitte drängt,
das, worauf in unserer Welt alle Scheinwerfer gerichtet sind, braucht uns nicht
zu verwirren. Es tröstet mich zu wissen, dass auch das erste Weihnachten am
Rande geschah. Sein Kern ist da, wenn vielleicht auch in meinem eigenen
Lebensbild selbst eher am Rande, eher unbemerkt, oder noch ungefunden. Im Lied
heißt es: Er steht auch dir zur Seite, still und unerkannt. Das ist für mich
der Kern der Weihnachtsbotschaft. Da wird mir gesagt: Auch im Suchbild deines
Lebens ist er zu finden, auch in deinem Tohuwabohu, wo es oft wüst ist und
leer, auch in deinem Stall, also da, wo es längst nicht so gut riecht wie in
unseren Kirchen-Weihnachtskrippen, sondern wo es wie in jedem echten Stall
schmutzig ist, wo sich Unrat ansammelt, fern der guten Stube. Gott wählt sich
für seine Menschwerdung den Stall – der steht abseits – - er ist sich nicht zu
fein für meinen Mist.
2.)
Ein Wort
von der Innenseite der Karte. Es ist ein Gedicht von Paul Weismantel:
meistens
wird Gott ganz leise Mensch
die Engel
singen
nicht
die Könige
gehen vorbei
die Hirten
bleiben
bei ihren
Herden
meistens
wird Gott
ganz leise
Mensch
von der
Öffentlichkeit unbemerkt
von den
Menschen
gar nicht
zur Kenntnis genommen
in einer
kleinen Zweizimmerwohnung
in einem
Asylantenwohnheim
in einem
Krankenzimmer
in
nächtlicher Verzweiflung
in der
Stunde der Einsamkeit
in der
Freude am Geliebten
meistens
wird Gott
ganz leise
Mensch
immer dann,
wenn Menschen es machen
wie Gott
und
Menschen
werden
Also: auch
eine Aufforderung: Damit Weihnachten werden kann, heißt es für uns alle: Mach’s
wie Gott – werde Mensch!
*~*~*~*~*~*~*
5. Glaube – Entdecke die Möglichkeiten – Bild zum fc-Brief am 3. Oktober 2004

Eines Tags bei Kohlhasficht
sah man etwas
Wunderbares.
Doch dass zweifellos und
wahr es,
dafür bürgt das
Augenlicht.
Nämlich standen dort
zwei Hügel,
höchst solid und wohl
bestellt;
einen schmückten
Windmühlflügel
und den andern ein
Kornfeld.
Plötzlich eines Tags um
viere
wechselten die Plätze
sie;
furchtbar brüllten die
Dorfstiere,
und der Mensch fiel auf
das Knie.
Doch der Bauer Anton
Metzer,
weit berühmt als frommer
Mann,
sprach: »Ich war der
Landumsetzer,
zeigt mich nur dem
Landrat an.
Niemand anders als mein
Glaube
hat die Berge hier
versetzt.
Dass sich keiner was
erlaube:
Denn ich fühle stark
mich jetzt.«
Aller Auge stand
gigantisch
offen, als er dies
erzählt.
Doch das Land war
protestantisch,
und in Dalldorf starb
ein Held.
(Christian Morgenstern,
„Der Glaube“)
*~*~*~*~*
Liebe Freunde unseres
Sonntagsimpulses,
ich habe dieses
köstliche Gedicht von Christian Morgenstern zwar schon einmal vor längerer Zeit
im Gemeindebrief an Euch verschickt – denke aber, es kann auch ein zweites Mal
ein guter Einstieg sein. Eine treue Leserin hat mir in der letzten Woche
geschrieben, dass für sie immer die ersten drei Zeilen unserer Mail darüber
entscheiden, ob sie tatsächlich weiterliest oder auf die Lösch-Taste drückt.
Was ihr hilft, seien Texte oder Geschichten.
Beim ersten Versenden
des Gedichts wie heute ging es im Evangelium des Sonntags um die Kraft des
Glaubens. Auf dem Wasser laufen, das war damals das Thema, oder Berge versetzen
– oder, wie im heutigen Evangelium – Maulbeerbäume. Für einen Glaubenden alles
kein Problem? Das ist schon schwer zu glauben. Heute setzte Jesus noch einen
drauf und behauptet sogar: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein
Senfkorn…“, wird es euch gelingen! (lest nach bei Lukas, Kapitel 17, Verse
5ff). Es braucht zu all diesen spektakulären Dingen also nicht einmal einen
„großen“ Glauben, er darf ruhig so winzig sein wie ein Senfkorn – und dennoch
reicht er, damit Unmögliches möglich wird!
Das hört sich toll an,
aber wie übertrage ich es in meinen persönlichen Alltag, in dem ich von der
Kraft meines Glaubens doch eher wenig spüre? Ich habe ja gar kein Interesse daran,
irgendwelche Maulbeerbäume oder Berge zu versetzen. Mir würde es schon reichen,
wenn sich einige der Probleme, die sich „wie Berge“ vor mir auftürmen, etwas an
die Seite rückten, oder wenn sich „baumhohe“ Ausweglosigkeiten, die ich in
unserer Welt wahrnehme, wenigstens etwas lockerten. Einfach als frommen Wunsch abtun möchte ich
dieses Evangelium aber auch nicht. Es birgt schließlich eine ungeheure
Verheißung!
Ich habe zwei Impulse
gefunden, die mir eine Hilfe sind beim „Übersetzen“ dieser Worte Jesu. Beide
entstammen der Werbung. 1.) Ikea. Da hieß es in einem genialen Slogan vor
einiger Zeit: „Ikea- Entdecke die Möglichkeiten!“. Nicht lange hat’s gedauert,
bis kreative Christen das dazugehörige Logo umgestaltet hatten und es nun hieß:
„Glaube – Entdecke die Möglichkeiten!“ (JPG-Bild findet Ihr im Netz auf www.jesusnow.de – christliche Werbeslogans - oder ab
morgen früh auf meiner Webseite www.pfarrei-info.de
– klick auf Christkönig, Adendorf, dann „Texte“). Eine zweite gute Anregung zum
Weiterdenken des heutigen Evangeliums findet man im Moment in den ICE-Zügen der
Bahn. Da heißt es auf einem Plakat: „Nicht, weil die Dinge schwierig sind,
wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind die Dinge
schwierig.“
Ich nehme aus diesem
Sonntag also zwei konkrete Denk-Anstöße mit hinein in den Alltag meiner Woche.
Erstens will ich mich fragen, welche faktische „Kraft“ ich meinem Glauben
eigentlich zutraue; ob ich die Möglichkeiten, die mir mein Christsein schenkt,
überhaupt schon entdeckt habe. Und zweitens, ob die schwierigen Dinge meines
Lebens vielleicht deshalb so kompliziert sind, weil ich sie gar noch nicht
„angepackt“ habe.
Viel Freude und Erstaunen beim
Entdecken der Möglichkeiten unseres Glaubens und Vertrauen in die Lösbarkeit
Eurer persönlichen Schwierigkeiten wünscht Euch Euer Pfarrer Stefan Lampe für
das Team der St.-Bonifatius-Internetkirche in www.funama.de
4. „Einmal sollte man“ –
von Mascha Kaleko
Einmal
sollte man...
Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.
Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
Um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müsste sich zu Baum und Gräsern neigen,
Als ob das immer so gewesen wär.
Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müsste Konfession und Stand verlassen
Und eines schönen Tags das Leben schwänzen.
Es gibt beinahe überall Natur,
- Man darf sich nur nicht sehr um sie bemühen -
Und soviel Wiesen, die trotz Sonntagstour
Auch werktags unbekümmert weiterblühen.
Man trabt so traurig mit in diesem Trott.
Die anderen aber finden, dass man müsste...
Es ist fast so, als stünd man beim lieben Gott
Allein auf der schwarzen Liste.
Man zog einst ein Lebenslos "zweiter Wahl".
Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
- Einmal aber sollte man... (Siehe oben!)
(Mascha
Kaleko)
3. aus dem funcity-Gemeindebrief
von Pfr. Lampe am 31. Januar 2004:
Bild zur Geschichte:

Geschichte zum Bild:
Tief im Mittelalter
ging ein Mann auf einer verstaubten Straße seines
Weges. Wo immer er auf Menschen stieß,
blieb er stehen und fragte sie,
was sie arbeiteten und für wen sie es
taten. Denn seit geraumer Zeit
wusste er um sein Leben nicht mehr
Bescheid, wusste nicht mehr, was er
tun sollte und wofür. Des Nachsinnens müde,
war er ausgezogen, um von
anderen Menschen zu hören, was sie bewegte.
Auf diese Art wollte er in
Erfahrung bringen, was ihm verloren
gegangen war. Da stieß er auf einen
Mann, der am Wegrand saß und ganz gebückt
auf einen Stein einschlug.
Der Wanderer blieb stehen und schaute ihm
lange zu. Da er seine
Tätigkeit nicht verstand, fragte er ihn:
"Freund, lange schon schaue ich
dir zu, wie du auf diesen Stein
einschlägst. Allein es mangelt mir an
Verständnis. Freund, kannst du mir, einem
Fremden und deines Handwerks
Unkundigen, verraten, was du da
machst?" - Ohne in seiner Tätigkeit
innezuhalten, murmelte der Mann missmutig
in seinen Bart: "Du siehst
alles. Ich behaue einen Stein."
Mit trüben Gedanken zog der Mann weiter.
"Was ist das für ein Leben",
dachte er bei sich, "die ganze Zeit
Steine zu behauen?" Da seine
Verwirrung nun noch größer war, betrachtete
er es als ein Glück, als er
wenig später wieder einen Mann da sitzen
sah, der emsig auf einen Stein
einschlug, in der gleichen Art wie zuvor
der andere Mann. Auf ihn ging
der Wanderer zu und fragte ihn sogleich:
"Freund, wozu schlägst du auf
diesen Stein?" - Der Mann, etwas
erschrocken von der unerwarteten Frage,
antwortete nach einigem Zögern:
"Siehst du nicht, Fremder, ich mache
Ecksteine!"
Betroffen ob seiner Unwissenheit setzte der
Wanderer seinen Weg fort.
Die Verzweiflung in ihm wuchs, denn er
konnte sich nicht abfinden mit
dem, was er gesehen hatte. Sollte das ganze
Glück des Lebens darin
bestehen, Steine zu behauen oder Ecksteine
zu machen? In der Sorge
seines Herzens versunken, hätte er beinahe übersehen,
dass er wieder an
einem Mann vorbeigekommen war. Auch dieser
saß am staubigen Wegrand und
schlug auf einen Stein ein, nach der Art,
wie die beiden anderen Männer.
Der Wanderer blieb stehen und prüfte voller
Staunen, was dieser Mann
tat. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass
auch dieser Mann mit
derselben Fertigkeit wieder auf einen Stein
einschlug, ging er langsam
auf ihn zu und richtete seine Rede, die er
nicht weiter zurückhalten
konnte, an ihn und fragte: "Freund,
sag mir: Was ist deine Tätigkeit?
Behaust auch du nur Steine, oder machst du
gar Ecksteine?" - "Nein,
Fremder", antwortete der Mann und
wischte sich den Schweiß von der
Stirn, "siehst du denn nicht? Ich baue
eine Kathedrale!"
gefunden bei: Sinnvoll leben, Alfried
Längle, St. Pölten Wien, 1994
*~*~*~*~*
Liebe Lesergemeinde unseres
Denk-Mal-Nach-Impulses
aus der St.-Bonifatius-Internetkirche (
klick’ www.funama.de ),
manchmal, mitten in meinem Alltag, geht es
mir genau so wie dem Wanderer
aus dieser Geschichte. Von ihm heißt es,
dass er um sein Leben nicht
mehr Bescheid weiß, dass er nicht mehr
weiß, was er tun soll und wofür.
Dazu braucht es keine „große Krise“.
Manchmal kommt einem das eigene
Leben plötzlich vor wie ein „Bild ohne
Rahmen“. Freilich: viele Farben
darin, viel Inhalt, aber dennoch ergibt
alles keinen großen Sinn.
Ich merke: In meiner Arbeit als Pfarrer
sind es besonders die
Jugendlichen, die diese Fragen aussprechen:
Was kann mir Halt geben?
Worin besteht der Sinn des Lebens? Gibt es
ihn überhaupt? Lohnt es sich
überhaupt, zu suchen? Wäre es nicht besser,
einfach das zu tun, was
gerade ansteht, ohne sich große Fragen zu
stellen nach dem Woher und
Wohin meines Lebens? Ist nicht Leben ohne
Glauben einfacher?
Die kleine Geschichte will uns Mut machen,
niemals nur das zu sehen, was
wir gerade im Moment tun, was uns gerade
jetzt beschäftigt hält, sondern
weiter zu blicken. Sie spricht eine
Einladung aus, selbst im Kleinen
immer auf einen größeren Zusammenhang zu
vertrauen, aus dem Gefühl der
Vereinzelung und Unwichtigkeit
herauszutreten, nicht nur mich selbst zu
sehen.
Auf die Vision kommt es an! Und ins
Christliche gewendet, können wir
dann sagen: Wir alle bauen an einer
Kathedrale – wir alle sind
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Reich
Gottes!
Freude am „Steine behauen“ – und in allem,
was wir tun, Weitblick!,
das wünscht Euch an diesem Sonntag Euer
Pfarrer Stefan Lampe aus
Lüneburg
P.S.: Ich habe ein schönes Bild zu dieser
Geschichte (von Werner
Küstenmacher) auf meiner Festplatte. Ich
maile es Interessenten gerne zu -
schickt mir dazu einfach eine kurze Mail
mit dem Betreff "Bild" an meine
Adresse:
*~*~*~*~*~*
2. Sozusagen grundlos vergnügt
Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
Weil er sich selber liebt - den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, dass ich... Dass ich mich freu.
Mascha
Kaleko
*~*~*~*~*~*
1. Ein Knick in der
Biographie
Kennst du das auch: einen Knick in der Biographie?
Ich meine nicht das übliche Auf und Ab
in den Stürmen des Lebens, daß du dich mal besser,
mal schlechter fühlst, je nach dem Wetterbericht
der Erlebnisse und Gefühle. Nein, ich meine
eine scharfe Kurve, einen Bruch, einen Knick,
wo hinterher alles anders ist als bis dahin.
Der Tod eines lieben Menschen kann solch ein
Einschnitt sein. Oder eine neue Liebe.
Eine Krebsdiagnose, ein Infarkt, eine schwere Operation,
ein heil überstandener Unfall.
Vielleicht auch eine mystische Erfahrung.
Das ist wie eine neue Geburt, einschließlich
Wehen und Freude. Von da an gilt für dich
ein neuer Kalender. Du teilst die Zeit ein:
vor dem Tag X — und nachher.
Du erlebst die Krokusse anders und den ersten Schnee.
Du entdeckst oft überlesene Zeilen
in einem bekannten Gedicht. Eine vertraute
Musik hörst du wie eine Offenbarung. Du feierst
einen Weihnachtsgottesdienst mit, als sei es
zum ersten, zum letzten Mal. Alles bekommt
eine neue Wertigkeit. Kleinigkeiten
werden dir wichtig, Bedeutendes erscheint dir banal.
Prioritäten verschieben sich.
Nichts ist mehr selbstverständlich.
Kennst du das auch?
Aus: Hermann Josef Coenen, Freiheit, die ich meine. Patmos
Verlag, Düsseldorf 1995.