Texte zum Downloaden:

Auf dieser Seite finden Sie in loser Regelmäßigkeit
Texte, Predigten oder Gedanken aus unseren Gottesdiensten,
nach denen ich gefragt wurde. Die Predigt-Skizzen aus den anderen
Gottesdiensten können Sie sich gern auch zusenden lassen.



Inhalt
(oben aktuell, nach unten hin älter werdend):

25: Download der Impulse zur Adventszeit 2006
       (a) und 2007 (b.) (bitte klicken – es öffnet sich ein PDF-Dokument!)
24. „Fernseher Unser“ zur Predigt am 30.9.2007
23. Bericht vom Jakobsweg 2007 – hier klicken! (PDF-Dokument)
22: Simone von Cyrene: aus der Kreuzwegserie  von Sieger Köder
21: „Eigentlich bin ich ganz anders“ – Hinweis auf eine geistliche Fastenaktion
20. Jenseitsvertröstung vs. Diesseitsvertröstung
19. Weihnachtspredigt 2006
18. Weihnachts-Bild von Beate Heinen zur Bußandacht im Advent
17. „Gesucht“ – von Peter Fuchs
16. Eugen Roth: Vom Glück des Brotes (20. August 2006)
15. Goethe: Zweierlei Gnaden (6. August 2006)
14. „Der Papst der Inhalte“ – Essay zum WJT 2005
13. Vortrag über Emmanuel Levinas von Timo Ogrzal, Hamburg
(im Rahmen unserer Veranstaltungs-Reihe „Annäherungen zum Judentum“): Zusendung auf Anfrage an Pfarramt@t-online.de

12. „Generation JP 2“ – Der Papst und die Jugend – ein Phänomen
11. Aus den Fastenimpulsen „40 Tage Richtung“
10.  Chassidische Geschichte und Gedanken vom ökum. Neujahrsempfang
9.  Bild von Edvard Munch „Der Schrei“
8.  „Dezember“ – von Erich Kästner
7.  Das Märchen von Heinrich, dem Weihnachtsengel
6.  Gott am Rande – Predigt zum Weihnachtsbild von Pieter Breughel d.J.
5.  Glaube – Entdecke die Möglichkeiten – Text zum FC-Brief am 3. Oktober 2004
4.  „Einmal sollte man“ – von Mascha Kaleko
3.  Bild * Text zum„funcity-Gemeindebrief“ am 31. Januar 2004:
2. 
Sozusagen grundlos vergnügt“
1.  „Ein Knick in der Biographie“




24. „Fernseher Unser“ zur Predigt am 30.9.2007


*~*~*~*~*~*~*




Fernseher unser

 

Fernseher unser,

der du bist im Wohnzimmer,

gesehen werde dein Programm,

deine Welt komme,

deine Manipulation geschehe

in unserem Inneren,

wie auch dann in unserem Verhalten.

Unsere tägliche Zeit nimm uns heute.

Und vertreib uns unsere Fantasie,

wie auch wir alles durch dich erfahren.

Und führe uns nicht in Versuchung

miteinander zu reden,

sondern erlöse uns vom Stören der Nachbarn.

Programm Ende.

 

Von Jugendlichen


*~*~*~*~*

23: zur Statio am Palmsonntag 2007: Bild von Simone von Cyrene aus der Kreuzwegserie von Sieger Köder (die gesamten 14 Kreuzweg-Stationen in einer 11 MB (!) großen PDF-Datei sende ich Ihnen auf Anfrage gern zu – bitte schicken Sie mir dazu eine Mail an meine Adresse Pfarramt@t-online.de - Das wunderbare Buch mit den dazugehörigen Texten hat den Titel „Kreuzwegerfahrungen“ von Theo Schmidkonz, ist erschienen im Schwabenverlag (und kostet 9,80 Euro).






22: „Eigentlich bin ich ganz anders“ – Hinweis auf eine geistliche Fastenaktion

Andere Zeiten e.V. lädt ein zur Fastenaktion „7 Wochen anders leben“ ab 21. Februar

Die Fastenzeit beginnt  – und jeder kann dabei sein. Gemeinsam geht es leichter. Zum Thema „Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu“ können Fastende sich dieser Aktion anschließen. Am Aschermittwoch ist alles vorbei? Falsch. Da geht es erst los: Hunderttausende evangelischer und katholischer Christen fasten. Sieben Wochen lang verzichten sie auf eingefahrene Gewohnheiten – Alkohol, Zigaretten oder Süßes – und schaffen Raum für Neues.

Mit der Aktion „7 Wochen anders leben“ will der Verein Andere Zeiten Fastende begleiten: Ein wöchentlicher Brief ermuntert zum Durchhalten. „Wer fastet, verzichtet nicht nur. Sondern er fragt sich: Bereichern mich meine Gewohnheiten noch oder bestimmen sie mich schon? Vielen gelingt es auf diese Weise, Süchte wieder in Sehnsüchte zu verwandeln“, sagt Hinrich C. G. Westphal, Initiator des christlichen Vereins. Die persönlich gestaltete Post mit Stimmen von anderen Fastenden laden zum Dialog und Gedichte zum Träumen ein. Die Briefe erzählen eine biblische Geschichte meditierend nach. Karikaturen erinnern daran, dass auch in der Fastenzeit gelacht werden darf. In den vergangenen Jahren fühlten sich viele Tausende durch die Fastenaktion „7 Wochen anders leben“ miteinander verbunden: „Es tut so gut zu merken: Da gibt es noch andere, denen es ähnlich geht“, so eine Teilnehmerin. Wer möchte, kann sich mit einer Broschüre vorab über das Thema Fasten informieren. Damit Fastende sich direkt untereinander austauschen können, richtet Andere Zeiten e.V. ein Fastenforum im Internet ein unter www.anderezeiten.de. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch (21. Februar) und dauert bis Ostern (8. April). Die Teilnahmegebühr an der Aktion „7 Wochen anders leben“ beträgt 7,50 € inklusive Versandkosten. Wer zusätzlich die Fastenbroschüre bestellt, zahlt 9,50 € inklusive Versandkosten. Auf Wunsch schicken wir Ihnen gerne Bildmaterial zur Aktion und Interessierte können sich anmelden bei:

 

Andere Zeiten e.V.
Fischers Allee 18
22763 Hamburg
Telefon: 040 - 47 11 27 27
www.anderezeiten.de



21: Jenseitsvertröstung vs. Diesseitsvertröstung…


Bert Brecht

Laßt euch nicht verführen!
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen
Ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.

Laßt euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft es in schnellen
Zügen!
Es wird euch nicht genügen,
Wenn ihr es lassen müßt!

Laßt euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Laßt Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.

Laßt euch nicht verführen
zu Fron und Ausgezehr!
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren
Und es kommt nichts nachher.

aus: Bert Brecht, Gesammelte Werke, Suhrkamp Verlag, FFM 1967
"Laßt Euch nicht verführen"

Hans Küng

Laßt euch nicht verführen!
Es gibt eine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
Ihr könnt schon Nachtwind spüren:
Es kommt ein Morgen mehr.

Laßt euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft nicht in schnellen
Zügen!
Es wird euch nicht genügen,
Wenn ihr es lassen müßt!

Laßt euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Faßt Moder die Erlösten?
Das Leben ist am größten:
Es steht noch mehr bereit.

Laßt euch nicht verführen
zu Fron und Ausgezehr!
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt nicht mit den Tieren.
Es kommt kein Nichts nachher.

aus: Hans Küng, Ewiges Leben?, Piper Verlag GmbH, München 1982, S. 63f.


20. Weihnachtspredigt 2006

Gott möchte in unserer Haut stecken –
Gedanken zum Weihnachtsfest 2006, Adendorf + Lüneburg




Liebe Schwestern und Brüder, es gibt so einen Satz im Deutschen, einen Gedanken, der uns allen vertraut ist. Den Gedanken: „Du, in deiner Haut möchte ich nicht stecken.“ Wenn wir so sprechen, dann bedauern wir jemanden, wollen ihn vielleicht trösten, ihm sagen: Du, ich sehe, dass du Probleme hast, und ich weiß auch nicht, was ich dir jetzt raten kann. „Du, in deiner Haut möchte ich nicht stecken.“ Meistens aber sagen wir das gar nicht, weil es ja so eine Spur von Egoismus in sich hat, sondern wir denken es nur im Stillen: „In seiner, in ihrer Haut möchte ich nicht stecken.“ Wir vergleichen uns mit dem Unglücksraben und kommen zum Schluss: Mir geht es zum Glück besser. „In deiner Haut möchte ich nicht stecken.“

Wir Christen aller Konfessionen feiern Jahr für Jahr das Gegenteil dieses Satzes. Wir feiern an Weihnachten, dass Gott gesagt hat: „Du Mensch, in deiner Haut möchte ich stecken.“ Und Gott möchte es nicht nur. Er tut es. Das feiern wir Weihnachten.

Gott steckt sich in die Haut eines Menschen, eines Kindes. Und er ist wie jedes kleine Kind total angewiesen darauf, dass sich andere um ihn kümmern. Wie jedes Kind ist dieses Kind in der Krippe angewiesen auf uns, auf unsere Nähe, auf unsere Fürsorge und Pflege. Das ist die schöne und zugleich schwer zu fassende Botschaft von Weihnachten! Denn das ist ja so ganz anders, als wir es normalerweise von Gott erwarten. Wir fühlen uns angewiesen auf ihn, aber er dreht den Spieß um und lässt uns, wenigstens einmal im Jahr, darüber nachdenken, dass unser Denken und Glauben ergänzt werden muss um den Gedanken: Gott ist angewiesen auf uns.

Wir feiern an Weihnachten, dass Gott sich so und nicht anders in das Leben von uns Menschen eingemischt hat. „Du Mensch, in deiner Haut möchte ich stecken.“ Hören wir diesen Satz nicht als irgendeine eine allgemeine Aussage über das, was einmal vor zweitausend Jahren geschah, als eine theologische, philosophische, fromme Überlegung. Sondern hören wir das auf uns bezogen, auf jeden einzelnen von uns, ganz persönlich. „Du, N.N., in deiner Haut möchte ich stecken.“ In deiner Haut stecke ich. In der Haut, in der du dich manchmal gar nicht wohl fühlst – ich bin da.

“Ich bin da“ - Gott hat diesen Namen ja schon viele hundert Jahre vor Christus dem Mose offenbart in dieser Geschichte vom brennenden Dornbusch. „Wer bist du? Wie heißt du?“, wird er gefragt, und er sagt: „Mein Name ist JHWH“ – also übersetzt: „Ich bin der Ich bin da“ – Ich bin der, der da ist. In deiner Haut zu finden. Aber haben die Menschen das wirklich verstanden? Brauchte es nicht diesen zweiten Anlauf? Haben wir Menschen ihn nicht durch Jahrhunderte – bis heute! – weiterhin da gesucht, wo er gar nicht ist? Oben im Himmel? Unfindbar? Nichts wirklich zu tun habend mit dem, was (in Anführungszeichen) „hier unten“ ist? Nichts wissend um mich und meine Haut? Und das, was mir unter der Haut steckt?

In Bethlehem gibt es diese Kirche, die um den Geburtsort Jesu herum gebaut wurde, und in der sich die Geburtsgrotte befindet. In dieser Geburtsgrotte wurde das Bethlehem-Licht entzündet, das heute auf alle Kerzen dieser Kirche übergegangen ist. In dieser Geburtsgrotte ist in den Boden ein Stern eingelassen mit dem lateinischen Wort „HIC“ – also „Hier“. Hier ist Gott Mensch geworden. Und in der Mitte dieses Sterns ist ein goldener Spiegel. Wer an diesen Spiegel drankäme, um in ihn hineinzuschauen, würde in ihm – sich selber sehen. So, wie er oder sie nun einmal ist.

“Du, Mensch. In deiner Haut möchte ich stecken. In deinem Leben möchte ich geboren werden. Hic - Hier - Heute.“

Man kommt aber so weit gar nicht ran. Und in die Geburtskirche selbst kommt man auch nur mit Mühe, denn, wer schon einmal da war, weiß es: die Tür zu diesem Ort ist nur einen Meter hoch. In früheren Jahrhunderten haben die Christen die einstmals ganz hohe Pforte extra so verkleinert, weil sie Sorge hatten, irgendwelche Eroberer könnten sonst versucht sein, auf ihren Pferden in diese Kirche hineinzureiten.

Nein, da passt kein Pferd durch! Da musst du absteigen von deinem hohen Ross! Da musst du dich bücken, dich selber ganz klein machen, um hineinzukommen. Da musst du selber, wenigstens in einer äußeren Geste, das tun, was Gott getan hat, als er sagte: „Du Mensch, in deiner armseligen Haut
möchte ich stecken.“


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19. Weihnachts-Bild von Beate Heinen zur Bußandacht im Advent




18.
Gesucht: von Peter Fuchs

 

gesucht:

menschen

die gerade sind

krumme

gibt es schon

 

menschen

die sich erbarmen

die wegschauen

gibt es schon

 

menschen

die mauern opfern

maueropfer

gibt es schon

 

menschen

die ums tägliche brot bitten

die es sich täglich nehmen

gibt es schon

 

menschen

die ihr leben ins spiel bringen

die mit dem leben andrer spielen

gibt es schon

 

menschen

die aufstehen gegen gewalt

die auf gewalt stehen

gibt es schon

 

menschen

die einander aufrichten

die einander richten

gibt es schon

 

menschen

die den mut haben zu dienen

herren

gibt es schon

 

menschen

die für den frieden leben

die für kriege sterben

gibt es schon

 

menschen

die neu anfangen

die fertig sind

gibt es schon

 

gibt

es

schon

genug

 

Peter Fuchs-Ott in: Gemeinsam entdecken. Ökumenische Gebete und Meditationen. Herausgegeben von Marcus Leitschuh und Cornelia Pfeiffer. Bonifatius Verlag Paderborn / Verlag Otto Lembeck Frankfurt am Main 2003.

 

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17. Eugen Roth: Vom Glück des Brotes

„Ein Mensch gelangt, mit Müh und Not

von Nichts zum ersten Stückchen Brot.
Vom Brot zur Wurst geht’s dann schon besser:
Der Mensch entwickelt sich zum Fresser
Und sitzt nun, scheinbar ohne Kummer
Als reicher Mann bei Sekt und Hummer.
Doch sieh, zu Ende ist die Leiter:
Vom Hummer aus geht’s nicht mehr weiter.
Beim Brot, so meint er, war das Glück.
Doch findet er’s nicht mehr zurück.“

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16: Goethe: Zweierlei Gnaden

Im Atemholen sind zweierlei Gnaden:
Die Luft einziehn, sich ihrer entladen;
Jenes bedrängt, dieses erfrischt;
So wunderbar ist das Leben gemischt.
Du danke Gott, wenn er dich presst,
Und danke ihm, wenn er dich wieder entlässt.

(Goethe)


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15. „Der Papst der Inhalte“ – Artikel zum WJT 2005

Rom. Die katholische Kirche hat eine neue Richtung eingeschlagen. Sie hat dabei zwar nicht ihre Botschaft, wohl aber ihre Methode geändert. Sie trägt jetzt das freundliche, aber gleichzeitig bestimmte Gesicht Joseph Ratzingers, nicht mehr die weichen, manchmal auch ohne Worte auskommenden Züge Karol Wojtylas.

Benedikt XVI. ist ein Papst der Inhalte, einer, der inmitten des ausgelassenen Happening-Klimas beim Weltjugendtag in Köln von den Glaubensinhalten des christlichen Lebens erzählte. Vielleicht ist gerade das seine Stärke: dass die Jugendlichen wieder zuhören, nachdenken, verstehen lernen. „Ich weiß, dass Ihr als junge Menschen das Große wollt, dass Ihr Euch einsetzen wollt für eine bessere Welt. Zeigt es den Menschen, zeigt es der Welt, die gerade auf dieses Zeugnis der Jünger Jesu Christi wartet.“ Mit solchen Sätzen eroberte der Kirchenführer bei der Abschlussmesse die Herzen seiner Zuhörer. Es war gleichsam eine Aufforderung, die persönlichen Erfahrungen des Weltjugendtages in die Welt, in ihre Heimatländer, zu tragen. Denn Benedikt weiß wohl, welch schwere Probleme auf der Kirche lasten: leere Bänke am Sonntag, viele Kirchenaustritte, ein überalterter Klerus.


Doch ob die Botschaft des Weltjugendtags daran nachhaltig etwas ändern kann, ist fraglich. Denn diejenigen, die nach Köln gepilgert sind, muss kein Papst mehr überzeugen – sie sind ohnehin gläubig. „Die Ent-Christianisierung überwindet man nicht mit dem Applaus derjenigen, die schon überzeugt sind“, brachte es der „Corriere della Sera“ auf den Punkt. Auf stürmischen Applaus legte der neue Pontifex denn auch bei seinem bisher größten Auftritt vor einer Million Gläubiger keinen Wert. Im Gegenteil: Er nutzte seine Chance, die jungen Zuhörer mit anspruchsvollen Worten zum Schweigen, zum Zuhören zu bringen. Was die Teilnehmer dieses Weltjugendtages mit nach Hause nehmen, ist nicht nur die vage Erinnerung an ein wenige Tage dauerndes Zusammengehörigkeitsgefühl, es sind Ideen, Sätze aus der Bibel, die zum Nachlesen und Nachdenken anregen.


Das wohl größte Verdienst von Johannes Paul II. war es, die Massen wieder für die katholische Kirche zu bewegen. Ratzinger kann auf dieses Erbe bauen, die Massen kommen heute von allein – vielleicht, weil sie dank Wojtyla verstanden haben, dass der Glaube in einer orientierungslosen, von Ängsten und Terror geplagten Welt ein Gefühl des Nicht-Alleinseins vermitteln kann. Und genau an diesem Punkt setzt Benedikt an: Die wichtigste Aufgabe sei es jetzt, als Kirche zukunftsoffen zu sein, forderte er von den Bischöfen. „Die jungen Leute suchen nämlich keine künstlich sich jung gebende Kirche, sondern eine Kirche, die jung ist im Geist, eine Kirche die Christus, den Neuen Menschen, durchscheinen lässt“, so der Papst.


Den Jugendlichen gab er in diesem Sinne gleich Anweisungen mit auf den Weg. „Wir dürfen zum Beispiel die alten Menschen nicht ihrer Einsamkeit überlassen, an den Leidenden nicht vorbeigehen“, forderte er. Da brandete Applaus auf. Es sei viel schöner, gebraucht zu werden „und für die anderen da zu sein, als nur nach den Bequemlichkeiten zu fragen“. Einfache Worte, klare Anleitungen zum christlichen Alltagsleben waren das.

Carola Frentzen



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14. Den Vortrag zu Emanuel Levinas aus unserer Reihe „Annäherungen“
senden wir Ihnen auf Anfrage gern als Datei zu. Bitte schicken Sie uns dazu kurz eine Mail an Pfarramt@t-online.de



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13. „Generation JP 2“ – Der Papst und die Jugend – ein Phänomen

Wenn man in Polen junge Leute fragt, was der Papst für sie bedeutet hat, kommt häufig die kurze Antwort: "Alles." Hakt man nach, kommt meist nicht viel mehr. Fragt man sie, warum sie zu den Totenmessen gehen und stundenlang den Rosenkranz oder den Kreuzweg beten, so bekommt man zu hören: "Weil wir ihn lieben." Was sie an ihm lieben, darüber sagen sie nicht viel.

Neuer Glaubensschub
Ihnen geht es wie vielen Polen. Sie glaubten ihm, ohne seine Lehre zu kennen. Sie verehrten ihn, ohne seine Moral zu befolgen. Sie applaudierten ihm, hatten jedoch Sex vor der Ehe und die Antibabypille in der Tasche. Sie waren fasziniert, ohne wirklich Gründe nennen zu können. "Wir beklatschten ein Bild, ohne seine Worte ernst zu nehmen", schrieb die junge polnische Autorin Dorota Maslowska, 22, ("Schneeweiß und Russenrot") in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Doch nur wenige Tage nach dem Tod des Papstes zeigt sich ein anderes Bild. Zusätzlich beflügelt von seinem Wort vom Totenbett - "ich habe euch gesucht. Jetzt seid ihr zu mir gekommen. Und ich danke euch" - geht der neue Glaubensschub einher mit Reflexion: Die Jugend weiß genau, um wen und was sie trauert.

"Bis zum Ende jung im Geist"
Kasia, Schülerin in einem Krakauer Gymnasium, sagt: "Keiner konnte wie der Heilige Vater mit uns reden: ehrlich, direkt, bis zum Ende jung im Geist." Und Pawel, ein Schüler aus Oswiecim (Auschwitz): "Man muss nicht katholisch sein, um die Taten des Papstes schätzen zu können. Er lehrte uns, wie man den Anderen respektiert, unabhängig davon, welchen Glaubens oder welcher Rasse sie sind. Er zeigte uns, dass man Gott überall finden kann." Er selbst sei kein praktizierender Christ, sagt Pawel, er gehe nicht zur Kirche, die vergangenen Tage hätten ihn jedoch Gott näher gebracht. Eine Studentin gesteht, sie habe anlässlich des Todes Johannes Pauls II. zum ersten Mal in ihrem Leben das "Ave Maria" rezitiert. Auf einem Trauerzug durch die Straßen Krakaus lernte sie die frommen Gesänge.


Worte des verstorbenen Papstes:

"Nennt mich einfach Karol"


Papst Johannes Paul II. hat sich zu Glaubensfragen sowie zu sozialen und politischen Themen geäußert. Hier einige Zitate seit seiner Wahl zum Papst 1978:

"Ich hatte Angst, diese Wahl anzunehmen, aber ich tat es im Geist des Gehorsams..."
(Rom, 16. Oktober 1978, nach der Papstwahl)

"Ich bete für den Bruder, der mich verwundet hat und dem ich aufrichtig vergeben habe."
(Krankenhaus in Rom, 17. Mai 1981, vier Tage nach dem Attentat auf dem Petersplatz)

"Die Frauen sind nicht zum Priestertum berufen."
(Los Angeles, 16. September 1987)

"Heute stehen wir vor den Ruinen eines der vielen Türme von Babel in der Geschichte der Menschheit... Der Anspruch, eine Welt ohne Gott zu errichten, hat sich als illusorisch erwiesen."
(Prag, 21. April 1990, zum Untergang des Kommunismus)

"Nie wieder Krieg, dieses ausweglose Abenteuer; nie wieder Krieg, diese Spirale von Trauer und Gewalt; nicht dieser Krieg im Persischen Golf..."
(Rom, 16. Januar 1991, zum Ausbruch des Golfkrieges)

"Das Zölibat muss also als unschätzbares Geschenk Gottes ... in freier und von Liebe getragener Entscheidung angenommen und unablässig erneuert werden."
(Rom, 25. März 1992, Apostolisches Schreiben "Pastores Dabo Vobis")

"Nennt mich einfach Karol!"
(Manila, 14. Januar 1995, zu jugendlichen Gläubigen)

"Auch wenn der Papst von Natur aus eher nachgiebig ist, muss er streng sein, wenn es um Prinzipien geht."
(Rom, 6. März 1994)

"Abtreibung und Euthanasie sind also Verbrechen, die für rechtmäßig zu erklären sich kein menschliches Gesetz anmaßen kann."
(Rom, 30. März 1995, Enzyklika "Evangelium Vitae")

"Die Menschenrechte sind das Fundament jeder Zivilisation: Diese Überzeugung habe ich aus Polen mitgenommen, von den Auseinandersetzungen mit dem sowjetischen System und dem kommunistischen Totalitarismus."
(Auf dem Flug nach Havanna, 21. Januar 1998)

"Haben die Christen den Juden jeden möglichen Beistand gewährt? Viele taten es, andere aber nicht... Wir bedauern zutiefst die Fehler und das Versagen dieser Söhne und Töchter der Kirche."
(Rom, 16. März 1998, Vatikan-Dokument "Wir erinnern uns, Nachdenken über die Shoa")

"Die Wahrheit ist kein Produkt einer Kirche von unten, sondern sie kommt von oben, von Gott."
(Rom, 20. November 1998)

"Ich bin nach Yad Vaschem gekommen, um der Millionen zu gedenken, denen alles geraubt wurde, vor allem ihre menschliche Würde, und die im Holocaust ermordet wurden."
(Jerusalem, 23. März 2000)

"Die Spirale des Hasses und der Gewalt darf nicht weitergehen."
(Rom, 12. September 2001, nach den Terroranschlägen in den USA)

"Der Krieg der Mächtigen gegen die Schwachen hat heute mehr als früher tief greifende Spaltungen zwischen Reichen und Armen aufgerissen."
(Rom, zum 25-jährigen Amtsjubiläum im Papst-Schreiben "Die Hirten der Herde")

"Ich teile mit Euch eine Zeit des Lebens, die von physischer Krankheit gekennzeichnet ist... Liebe Brüder und Schwestern, ich möchte Euch alle in die Arme schließen, einen nach dem anderen."
(Lourdes, 14. August 2004, zu Kranken und Behinderten)

 

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Als die britische Zeitschrift „Times“ vor einiger Zeit eine Reihe von hochgestellten Autoren um Beiträge zu dem Thema „Was ist faul an dieser Welt?“ bat, schickte der Vater der Romanfigur von Pater Brown, Gilbert Chesterton, die kürzeste und treffendste Antwort ein:

 

„Sehr geehrte Damen und Herren:

Ich.

 

Ihr sehr ergebener

G.K. Chesterton”

 

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Liebe Jugendliche,
liebe Gastleser unseres Gemeindeimpulses,

was ich an der Antwort dieses Autors so erfrischend ehrlich, lustig und zugleich nachahmenswert finde: Keine Ausflüchte. Kein Abschieben der Verantwortung auf andere oder auf Strukturen oder auf weiß Gott was. Sondern ein klares Eingeständnis: Faul an dieser Welt? – Ich!  Das braucht schon Mut! Vielleicht ein ganz guter, aufrüttelnder Gedankenimpuls für einen weiteren Morgen der Fastenzeit. Wie sieht’s aus mit *meiner* Welt – was ist „faul“ daran? Ich musste an ein altes Gebet denken, das mir wichtig geworden ist: „Herr, erneuere deine Kirche – und fange bei *mir* an.“ Einen gesegneten Donnerstag und Mut zum Eingestehen eigener Mängel und Unvollkommenheiten (nobody is perfect!) wünscht Euch

Euer Stefan Lampe


PS: Die täglichen Kurz-Impulse von Pfr. Lampe für die Fastenzeit 2005 könnt Ihr abonnieren durch eine Mail an Pfarramt@t-online.de  mit dem Betreff „40 Tage Richtung“

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10.  Chassidische Geschichte und Gedanken vom ökum. Neujahrsempfang
Die Juden in Krakau waren bitter arm. Dennoch hätten sie gerne ein eigenes Bethaus gehabt. In diesen Jahren der Not nun war ihrem Rabbi Eisik, dem Sohn des Rabbis Jekel, im Traum geraten worden, nach Prag zu gehen. Dort solle er unter der Brücke, die zum Königsschloss führt, nach einem Schatz graben. Als der Traum zum dritten Mal wiederkehrte, zögerte Rabbi Eisik nicht länger. Er machte sich auf den weiten Weg nach Prag. Dort aber fand er die Brücke, die zum Königsschloss führte, Tag und Nacht von Wachen besetzt, und er sah keine Chance, unter ihren Bögen zu graben. Doch kam er jeden Morgen her und umwanderte die Brücke bis zum Abend. Das machte den christlichen Hauptmann der Brückenwache aufmerksam. Was er hier suche oder erwarte, wollte der wissen. Rabbi Eisik fasste sich ein Herz und erzählte, welcher Traum ihn nach Prag geführt hatte. Der Hauptmann hörte es staunend und lachte: "Und da hast du dich eines Traumes wegen aufgemacht? Da hätte ich ja meinerseits aufbrechen müssen, träumte mir doch, ich solle in Krakau in der Stube eines Juden, Eisik mit Namen, Sohn Jekels, nach einem Schatz hinterm Ofen suchen. Da wäre ich schön blöd, wenn ich dort, wo die eine Hälfte der Juden Eisik, und die andere Jekel heißt, Haus um Haus aufreiße!" Und er lachte. Rabbi Eisik aber verneigte sich, wanderte heim, und hob den Schatz.

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Soweit diese Geschichte. Man könnte sie ganz platt übersetzen mit einem Gedanken aus dem deutschen Volksmund: „Warum denn in die Ferne schweifen – sieh, das Gute liegt so nah“. Aber das ist es noch nicht. Der lange Weg des Rabbi nach Prag, die Reise ins Ausland, das Warten an der Brücke, das Gespräch mit dem Christen
è ist nötig! Man könnte sagen: ZUM FINDEN DES SCHATZES BRAUCHT ES DEN UMWEG! Das ist ja auch unsere Lebenserfahrung. Ich habe gestern abend mit einem unserer Jugendlichen aus Lüneburg telefoniert, der im Moment die elfte Klasse in den USA verbringt. Machen ja jetzt viele. Er hatte sich riesig auf Amerika gefreut, und jetzt sagt er: „Ist schon alles okay hier, aber wenn ich wieder nach Hause komme, werde ich erst wissen, wie gut ich es in Deutschland habe“. Auch da: Der Umweg ist nötig, die Reise ins Ausland, das Gespräch mit dem anderen. In der chassidischen Geschichte braucht der Jude den Hinweis des Christen. Er verneigt sich vor dem Hauptmann, bevor er heimgeht, weil der ihm mehr oder weniger unbewusst verraten hat, wo der Schatz liegt.

è Vielleicht darf man das ummünzen?: braucht nicht der Katholik im ökumenischen Miteinander immer wieder den Hinweis des Evangelischen: „Du hast in deiner Konfession einen Schatz!“, und braucht nicht der Evangelische auch immer wieder den Hinweis des Katholen, um bei sich selbst einen Schatz wahrnehmen zu können? Braucht es nicht auch in der Ökumene die Wanderung ins Ausland, das Warten, den Umweg?

Der Jude sagt zum christlichen Hauptmann: Du hast bei dir einen Schatz. Der Hauptmann sagt zum Rabbi: Du hast bei dir einen Schatz. Vom Rabbi wissen wir, dass er ihn hebt. Vom Hauptmann wissen wir nur, dass er so seine Schwierigkeiten hat, Träumen zu trauen. Aber wer weiß, vielleicht greift er am Ende doch noch zur Schaufel? Das bleibt offen.
Man darf die Geschichte sicher nicht überstrapazieren, aber ich fänd’s ja nochmal interessant, zu fragen, wer von uns Rabbi Eisik ist und wer der Hauptmann? Trauen wir uns in unseren Konfessionen das Träumen überhaupt noch zu? Sind wir da nicht sowohl als Katholiken wie als Protestanten etwas schwachbrüstig geworden? Suchen wir überhaupt noch nach einem Schatz, oder begnügen wir uns mit dem Klein-Klein des eben gerade so Machbaren? Gut, die Frage kann man gar nicht beantworten; vielleicht reicht es, sie wachsam im Auge zu behalten.

è Das Gleichnis vom Schatz im Acker. Der wird *nicht* gehoben, sondern erstmal wieder verbuddelt. Der Mann, der ihn findet, weiß: Ich kann den Schatz nur dann in meinen Besitz bringen, wenn ich den ganzen Acker kaufe. Das macht er. Dafür setzt er sein ganzes Vermögen ein. Aber was dann? Wir verstehen das natürlich als Menschen unserer Zeit:
Der wird wieder hingehen nach dem Kauf, den Schatz heben – und dann ist er ein gemachter Mann. Aber ist das die Erzählabsicht des Gleichnisses? Soll uns hier gesagt werden, wie man gut spekuliert und reich wird? Nach heutigen Maßstäben würde der Mann wahrscheinlich auch im Gefängnis landen, weil er sein Insiderwissen nutzt.

Es bleibt offen, ob er den Schatz hebt oder nicht. Es geht in diesem Gleichnis um das Himmelreich. Das ist wie ein Schatz im Acker. Kann man vielleicht frei übersetzen: Gott ist im Acker deines Lebens zu finden. Ich kann dieses Himmelreich nur dann besitzen, ich kann Gott nur dann finden, wenn ich zum ganzen Acker ja sage. Zum Acker meines Alltags, in dem oft so wenig von einem Schatz zu spüren ist, so wenig von Gott; in dem es, wie das eben auf Äckern ist, meistens um Arbeit geht und Erde und nicht um anderes, außergewöhnliches.

Kalenderblatt:

„Im Acker einen Schatz zu wissen, macht auch die Krume wertvoll.“ 

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9.  Bild von Edvard Munch „Der Schrei“ und Gedanken zur Flutwelle



Dieses so bekannte Bild von Edvard Munch hat in diesen Tagen eine schreckliche Aktualität bekommen. Der stumme Schrei und das Entsetzen auf dem Gesicht des Menschen im Vordergrund erinnert uns an den Schrei und das Leid so vieler Menschen, deren Bilder wir täglich im Fernsehen und in den Zeitungen sehen. Das Ufer rechts des Steges droht von einer gewaltigen Welle verschlungen zu werden. Am Strand ahnt man noch Urlauber unter einem Sonnenschutz, und denkt an die Menschen, die vom Strand weg aus Sorglosigkeit heraus in den Tod gerissen wurden.  Und am Ende des Steges zwei Passanten, in Sonntagskleidung, am Flanieren auf der Strandpromenade.

Das Bild  zeigt eine ungeheure innere Spannung zwischen blankem Entsetzen und dem ruhigen Weiterlaufen der Dinge unseres Alltags. Dieser Spannung sind wir alle in diesen Tagen ausgesetzt. Weihbischof Hans-Georg Koitz aus Hildesheim, der im Moment unser Bistum leitet, hat den Pfarreien unserer Diözese gestern einen Aufruf zugesandt, den wir Ihnen hier weitergeben möchten. Hier der Wortlaut:

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbrüder,

erst langsam wird das ganze Ausmaß der Katastrophe sichtbar, die im südasiatischen Raum von dem schweren Seebeben im Indischen Ozean am Zweiten Weihnachtstag ausgelöst worden ist. Mehrere Zehntausend Männer, Frauen und Kinder sind ihr zum Opfer gefallen. Die Opferzahlen steigen. Millionen Menschen sind obdachlos und leiden an den Folgen dieser Naturkatastrophe.

Unsere Anteilnahme können wir durch das Gebet und durch konkrete Hilfe zum Ausdruck bringen. Mit den Überlebenden sind wir in der Trauer um die Toten verbunden. Ihnen gilt unser fürbittendes Gebet und unser Gedenken in den Gottesdiensten der nächsten Tage.

Die Überlebenden brauchen in den kommenden Wochen und Monaten dringend unsere geschwisterliche und großherzige Hilfe. Inzwischen ist die internationale Katastrophenhilfe in Gang gekommen. Von Seiten der Kirche in Deutschland sind vor allem Caritas International (Freiburg) und der Malteser Hilfsdienst daran beteiligt. Sie können sich dabei auf die einheimischen Caritas-Organisationen vor Ort stützen.

Die Gläubigen aller deutschen Diözesen sind zu einer Sonderkollekte in den Gottesdiensten am Neujahrstag, dem 1. Januar, und am 2. Sonntag nach Weihnachten, dem 2. Januar 2005, für die Opfer dieser Flutkatastrophe aufgerufen. Alle eingehenden Mittel werden der Not- und Katastrophenhilfe von Caritas International zur Verfügung gestellt. Ihre Verteilung wird der Katholische Arbeitskreis Not- und Katastrophenhilfe übernehmen, dem verschiedene Hilfswerke angehören.

Im Namen der Opfer und aller Betroffenen danke ich Ihnen jetzt schon mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“. Auch so können wir das Leitwort des Heiligen Vaters zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2005 in die Tat umsetzen: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,21).

Mit herzlichen Segenswünschen

Ihr
Hans-Georg Koitz
Weihbischof von Hildesheim

*~*~*~*~*~*

8.  „Dezember“ – von Erich Kästner

Der Dezember


Das Jahr ward alt. Hat dünnes Haar.
Ist gar nicht sehr gesund.
Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
Kennt gar die letzte Stund.

Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
Ruht beides unterm Schnee.
Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
Und Wehmut tut halt weh.

Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
Nützt nichts, dass man’s versteht.

Und wieder stapft der Nikolaus
Durch jeden Kindertraum.
Und wieder blüht in jedem Haus
Der goldengrüne Baum.

Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
wie hold Christbäume blühn.
Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
Und glaubst nicht mehr an ihn.

Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
Dann dröhnt das Erz und spricht:
„Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
und du kennst deinen nicht.“

Erich Kästner, in: Morgen, Kinder, wird’s was geben. Gedichte zur Weihnachtszeit, Berlin: Aufbau Verlag 2001.

*~*~*~*~*~*

7.  Das Märchen von Heinrich, dem Weihnachtsengel


Als ich im letzten Januar meine Krippe und die fünf Weihnachtsengel wieder einpackte, behielt ich den letzten in der Hand. „Du bleibst“, sagte ich, „ich brauche ein bisschen Weihnachtsfreude für das ganze Jahr.“ „Da hast du aber Glück gehabt“, sagte er. „Wieso?“, fragte ich ihn. „Na, ich bin doch der einzige Engel, der reden kann.“ Stimmt! Jetzt erst fiel es mir auf, ein Engel, der reden kann! Da hatte ich wirklich Glück gehabt! „Wieso kannst du eigentlich reden? Das gibt es doch sonst gar nicht!“„Doch, das ist so. Nur wenn jemand nach Weihnachten einen Engel zurückbehält, - nicht aus Versehen, sondern wegen der Weihnachtsfreude, wie bei dir, - dann können wir reden. Aber es kommt ziemlich selten vor. Übrigens, ich heiße Heinrich!“

 

Seitdem steht Heinrich in meinem Wohnzimmer im Regal.

 

In den Händen trägt er seltsamerweise einen Müllkorb. Heinrich steht gewöhnlich still an seinem Platz, aber wenn ich mich über irgend etwas ärgere, hält er mir seinen Müllkorb hin und sagt: „Wirf rein!“ Ich werfe meinen Ärger hinein – und weg ist er. Manchmal ist es nur ein kleiner Ärger. Es kann aber auch ein größerer Ärger sein oder eine Not oder ein Schmerz, mit dem ich nicht fertig werde.

Eines Tages fiel mir auf, dass Heinrichs Mülleimer immer gleich wieder leer war. Ich fragte ihn: „Wohin bringst du das alles?“ „In die Krippe“, sagte er. „Ist denn soviel Platz in der kleinen Krippe?“ Heinrich lachte. „Pass auf! In der Krippe liegt ein Kind, das ist noch viel kleiner als die Krippe. Und sein Herz ist noch viel kleiner. Und deinen Kummer lege ich in Wahrheit immer in das Herz dieses Kindes. Verstehst du das?“ Ich dachte lange nach. „Das ist schwer zu verstehen. Und trotzdem freue ich mich, - komisch, nicht?“ Heinrich runzelte die Stirn. “Das ist gar nicht komisch, sondern genau das ist doch die Freude von Weihnachten, verstehst du?“

 

Auf einmal wollte ich Heinrich noch vieles fragen, aber er legte den Finger auf den Mund. „Psst“, sagte er, „nicht reden! Nur sich freuen!“

 


*~*~*~*~*~*

6. Gott am Rande finden –

    Weihnachtspredigt zum Bild „Anbetung der Könige“ von Pieter Breughel d.J.





Die Deutsche Post hat zu diesem Weihnachten ein schönes Plakat herausgebracht und auf ganz viele Litfasssäulen geklebt. Da heißt es: „Weihnachten, das Fest der Briefe.“ Ich finde das Plakat ganz gut gemacht, denn es stimmt ja. Weihnachten ist für viele Menschen ein Fest der Briefe oder doch zumindest der Karten. Selten im Jahr wird so viel geschrieben wie vor Weihnachten, manchmal schon fast unter einem Druck (mit dem Seufzer „Hoffentlich habe ich jetzt niemanden vergessen“), aber doch meistens einfach mit Freude.

 

Man denkt aneinander.
Wenigstens einmal im Jahr.
Fragt sich ja nicht nur:
Wem muss ich schreiben,
sondern:

Wer ist mir in meinem Leben wichtig?
Wer ist meine Familie?
Wer sind eigentlich meine Freunde?
Wem sollte ich mal wieder sagen:
Du, ich hab’ Dich nicht vergessen.

 

Für mich ist das Briefeschreiben vor und nach Weihnachten immer eine Gelegenheit, mich an den Reichtum zu erinnern, der nichts mit meinem Bankkonto zu tun hat. Sondern mit dem Reichtum, der darin besteht, mit anderen Menschen in Kontakt zu sein.  Weihnachten – das Fest der Briefe. Und damit eben auch das Fest der Liebe. Denn was transportiert so ein Brief anderes, als eine Botschaft der Liebe – mehr oder weniger stark. Du bist mir wichtig – du spielst für mich eine zentrale Rolle – ich lasse dich Anteil nehmen an meinem Leben! Man könnte vielleicht auch sagen: „Weihnachten, das Fest DES Briefes.“ - eines Briefes von Gott, der der seiner Schöpfung und auch mir persönlich sagt: „Du bist mir wichtig, du bist nicht allein, niemals, nicht einen Augenblick.“

 

Ich habe einen Brief bekommen, der ist mir so unter die Haut gegangen, dass ich meine Weihnachtspredigt in den Papierkorb geworfen habe. Ich habe mir vorhin vorgenommen, Ihnen einfach etwas von diesem Bild zu erzählen. Es ist von Peter Breughel, das war niederländischer Maler, es wurde so um 1630 gemalt; steht hinten drauf, da steht auch der Titel: „Suchbild: Anbetung der Könige“. Aber wo? Ich hatte Schwierigkeiten, das überhaupt zu entdecken. Das Bild zeigt den ganzen Trubel einer mittelalterlichen Stadt im Winter. Da stapfen Pferde durch die Bildmitte, Leute drängen sich um eine Prozession von Kaufmännern, andere schleppen ihre Lasten über den Dorfplatz, jemand schöpft Wasser aus einem Eisloch im Bach, andere schneiden Reisig, sitzen um ein Feuer an der Mauer der verfallenen Kirche, ein Kind rodelt mit einem Schlitten einen Abhang herunter. Die Menschen sind mit allem Möglichen beschäftigt. Man kann sich in dem Vielerlei verlieren, bis man, eher zufällig, ganz links am Rande die Heilige Familie entdeckt. Tatsächlich, so wie man sich’s vorstellt: In so einem Schuppen, halb verfallen, mit offenem Dach, aber eben - ganz am Rande! Nicht im Zentrum des Bildes. Nicht da, wo man zuerst hinguckt und alles deutlich sieht, sondern ganz klein, gerade eben noch zu erkennen. Ich hätte das nie bemerkt, hätte das Bild einfach für eine Winterszene gehalten, wenn da nicht hinten auf der Karte draufgestanden hätte: è „Suchbild“.

 

è Weihnachten dargestellt als Suchbild! è Man muss das Weihnachtsgeschehen suchen!


Mich hat die Botschaft dieses Bildes ganz tief angerührt. Das war offensichtlich also schon vor 400 Jahren so wie heute: Du kannst das Wesentliche übersehen! Der Künstler wollte mit seinem Bild etwas aussagen: Es passiert am Rande der *heutigen* Zeit, nicht in einem Bild von damals, und auch nicht im Zentrum! Die Menschwerdung Gottes, der Kernpunkt unseres Glaubens, geschieht auf diesem Gemälde mitten drin in einem Bild des Alltags, unauffällig, und: am Rande.  Heute haben wir den Stall und die Krippe in den Mittelpunkt gerückt, aber was wir heute hervorgehoben feiern, geschah damals ganz und gar nicht im Zentrum, sondern am Rand: ganz am Rand der Welt, ganz am Rand der großen Politik,, ganz am Rand eines Volkes, ganz am Rande des Lebens der meisten Menschen. Vor den Toren der Stadt Bethlehem, also von den allermeisten unbemerkt. Damals wie heute. Und dennoch ist es in deinem Lebensbild drin.

 

Morgen, am eigentlichen Weihnachtsfest,  wird in der Messe wieder der Beginn des Johannesevangeliums verlesen: Im Anfang war das Wort …, - kennen wir ja alle. Und weiter unten heißt es: Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt, … aber die Welt erkannte ihn nicht. Es geht also darum, Gott zu erkennen. Das Wichtige am Weihnachtsfest springt nicht direkt in unser Auge. Um es wahrzunehmen, muss ich liebevoll mein eigenes Lebensbild absuchen. Auch und gerade am Rand. Denn Gott kommt als echter Mensch, zu menschlichen Nachbarn, in unseren Alltag. Das ernstzunehmen, hat erstaunliche Konsequenzen. Zwei möchte ich Ihnen mitgeben nach Hause in Ihre persönliche Heilige Nacht:

 

1.)

 

Dass Weihnachten sich am Rande ereignete, kann uns ermutigen, auf das am Rande und auf die am Rande zu achten. Das, was sich bei uns mächtig in die Mitte drängt, das, worauf in unserer Welt alle Scheinwerfer gerichtet sind, braucht uns nicht zu verwirren. Es tröstet mich zu wissen, dass auch das erste Weihnachten am Rande geschah. Sein Kern ist da, wenn vielleicht auch in meinem eigenen Lebensbild selbst eher am Rande, eher unbemerkt, oder noch ungefunden. Im Lied heißt es: Er steht auch dir zur Seite, still und unerkannt. Das ist für mich der Kern der Weihnachtsbotschaft. Da wird mir gesagt: Auch im Suchbild deines Lebens ist er zu finden, auch in deinem Tohuwabohu, wo es oft wüst ist und leer, auch in deinem Stall, also da, wo es längst nicht so gut riecht wie in unseren Kirchen-Weihnachtskrippen, sondern wo es wie in jedem echten Stall schmutzig ist, wo sich Unrat ansammelt, fern der guten Stube. Gott wählt sich für seine Menschwerdung den Stall – der steht abseits – - er ist sich nicht zu fein für meinen Mist.

 

2.)

 

Ein Wort von der Innenseite der Karte. Es ist ein Gedicht von Paul Weismantel:

meistens wird Gott ganz leise Mensch

die Engel

singen nicht

die Könige gehen vorbei

die Hirten bleiben

bei ihren Herden

 

meistens wird Gott

ganz leise Mensch

von der Öffentlichkeit unbemerkt

von den Menschen

gar nicht zur Kenntnis genommen

 

in einer kleinen Zweizimmerwohnung

in einem Asylantenwohnheim

in einem Krankenzimmer

in nächtlicher Verzweiflung

in der Stunde der Einsamkeit

in der Freude am Geliebten

 

meistens wird Gott

ganz leise Mensch

 

immer dann,
wenn Menschen es machen
wie Gott

und

Menschen werden

 

 

Also: auch eine Aufforderung: Damit Weihnachten werden kann, heißt es für uns alle: Mach’s wie Gott – werde Mensch!



*~*~*~*~*~*~*


5. Glaube – Entdecke die Möglichkeiten – Bild zum fc-Brief am 3. Oktober 2004

Entdecke die Möglichkeiten...


Eines Tags bei Kohlhasficht

sah man etwas Wunderbares.

Doch dass zweifellos und wahr es,

dafür bürgt das Augenlicht.

 

Nämlich standen dort zwei Hügel,

höchst solid und wohl bestellt;

einen schmückten Windmühlflügel

und den andern ein Kornfeld.

 

Plötzlich eines Tags um viere

wechselten die Plätze sie;

furchtbar brüllten die Dorfstiere,

und der Mensch fiel auf das Knie.

 

Doch der Bauer Anton Metzer,

weit berühmt als frommer Mann,

sprach: »Ich war der Landumsetzer,

zeigt mich nur dem Landrat an.

 

Niemand anders als mein Glaube

hat die Berge hier versetzt.

Dass sich keiner was erlaube:

Denn ich fühle stark mich jetzt.«

 

Aller Auge stand gigantisch

offen, als er dies erzählt.

Doch das Land war protestantisch,

und in Dalldorf starb ein Held.

 

(Christian Morgenstern, „Der Glaube“)

 

*~*~*~*~*

 

 

Liebe Freunde unseres Sonntagsimpulses,

 

ich habe dieses köstliche Gedicht von Christian Morgenstern zwar schon einmal vor längerer Zeit im Gemeindebrief an Euch verschickt – denke aber, es kann auch ein zweites Mal ein guter Einstieg sein. Eine treue Leserin hat mir in der letzten Woche geschrieben, dass für sie immer die ersten drei Zeilen unserer Mail darüber entscheiden, ob sie tatsächlich weiterliest oder auf die Lösch-Taste drückt. Was ihr hilft, seien Texte oder Geschichten.

 

Beim ersten Versenden des Gedichts wie heute ging es im Evangelium des Sonntags um die Kraft des Glaubens. Auf dem Wasser laufen, das war damals das Thema, oder Berge versetzen – oder, wie im heutigen Evangelium – Maulbeerbäume. Für einen Glaubenden alles kein Problem? Das ist schon schwer zu glauben. Heute setzte Jesus noch einen drauf und behauptet sogar: „Wenn euer Glaube auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn…“, wird es euch gelingen! (lest nach bei Lukas, Kapitel 17, Verse 5ff). Es braucht zu all diesen spektakulären Dingen also nicht einmal einen „großen“ Glauben, er darf ruhig so winzig sein wie ein Senfkorn – und dennoch reicht er, damit Unmögliches möglich wird!

 

Das hört sich toll an, aber wie übertrage ich es in meinen persönlichen Alltag, in dem ich von der Kraft meines Glaubens doch eher wenig spüre? Ich habe ja gar kein Interesse daran, irgendwelche Maulbeerbäume oder Berge zu versetzen. Mir würde es schon reichen, wenn sich einige der Probleme, die sich „wie Berge“ vor mir auftürmen, etwas an die Seite rückten, oder wenn sich „baumhohe“ Ausweglosigkeiten, die ich in unserer Welt wahrnehme, wenigstens etwas lockerten.  Einfach als frommen Wunsch abtun möchte ich dieses Evangelium aber auch nicht. Es birgt schließlich eine ungeheure Verheißung!

 

Ich habe zwei Impulse gefunden, die mir eine Hilfe sind beim „Übersetzen“ dieser Worte Jesu. Beide entstammen der Werbung. 1.) Ikea. Da hieß es in einem genialen Slogan vor einiger Zeit: „Ikea- Entdecke die Möglichkeiten!“. Nicht lange hat’s gedauert, bis kreative Christen das dazugehörige Logo umgestaltet hatten und es nun hieß: „Glaube – Entdecke die Möglichkeiten!“ (JPG-Bild findet Ihr im Netz auf www.jesusnow.de – christliche Werbeslogans - oder ab morgen früh auf meiner Webseite www.pfarrei-info.de – klick auf Christkönig, Adendorf, dann „Texte“). Eine zweite gute Anregung zum Weiterdenken des heutigen Evangeliums findet man im Moment in den ICE-Zügen der Bahn. Da heißt es auf einem Plakat: „Nicht, weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind die Dinge schwierig.“

 

Ich nehme aus diesem Sonntag also zwei konkrete Denk-Anstöße mit hinein in den Alltag meiner Woche. Erstens will ich mich fragen, welche faktische „Kraft“ ich meinem Glauben eigentlich zutraue; ob ich die Möglichkeiten, die mir mein Christsein schenkt, überhaupt schon entdeckt habe. Und zweitens, ob die schwierigen Dinge meines Lebens vielleicht deshalb so kompliziert sind, weil ich sie gar noch nicht „angepackt“ habe.

 

Viel Freude und Erstaunen beim Entdecken der Möglichkeiten unseres Glaubens und Vertrauen in die Lösbarkeit Eurer persönlichen Schwierigkeiten wünscht Euch Euer Pfarrer Stefan Lampe für das Team der St.-Bonifatius-Internetkirche in www.funama.de

4. „Einmal sollte man“ – von Mascha Kaleko

Einmal sollte man...

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen.

Man sollte nicht mehr pünktlich wie bisher
Um acht Uhr zehn den Omnibus besteigen.
Man müsste sich zu Baum und Gräsern neigen,
Als ob das immer so gewesen wär.

Man sollte sich nie mehr mit Konferenzen,
Prozenten oder Aktenstaub befassen.
Man müsste Konfession und Stand verlassen
Und eines schönen Tags das Leben schwänzen.

Es gibt beinahe überall Natur,
- Man darf sich nur nicht sehr um sie bemühen -
Und soviel Wiesen, die trotz Sonntagstour
Auch werktags unbekümmert weiterblühen.

Man trabt so traurig mit in diesem Trott.
Die anderen aber finden, dass man müsste...
Es ist fast so, als stünd man beim lieben Gott
Allein auf der schwarzen Liste.

Man zog einst ein Lebenslos "zweiter Wahl".
Die Weckeruhr rasselt. Der Plan wird verschoben.
Behutsam verpackt man sein kleines Ideal.
- Einmal aber sollte man... (Siehe oben!)

 

(Mascha Kaleko)

 


3. aus dem funcity-Gemeindebrief
von Pfr. Lampe am 31. Januar 2004:

Bild zur Geschichte:

Geschichte zum Bild:

Tief im Mittelalter ging ein Mann auf einer verstaubten Straße seines
Weges. Wo immer er auf Menschen stieß, blieb er stehen und fragte sie,
was sie arbeiteten und für wen sie es taten. Denn seit geraumer Zeit
wusste er um sein Leben nicht mehr Bescheid, wusste nicht mehr, was er
tun sollte und wofür. Des Nachsinnens müde, war er ausgezogen, um von
anderen Menschen zu hören, was sie bewegte. Auf diese Art wollte er in
Erfahrung bringen, was ihm verloren gegangen war. Da stieß er auf einen
Mann, der am Wegrand saß und ganz gebückt auf einen Stein einschlug.

Der Wanderer blieb stehen und schaute ihm lange zu. Da er seine
Tätigkeit nicht verstand, fragte er ihn: "Freund, lange schon schaue ich
dir zu, wie du auf diesen Stein einschlägst. Allein es mangelt mir an
Verständnis. Freund, kannst du mir, einem Fremden und deines Handwerks
Unkundigen, verraten, was du da machst?" - Ohne in seiner Tätigkeit
innezuhalten, murmelte der Mann missmutig in seinen Bart: "Du siehst
alles. Ich behaue einen Stein."

Mit trüben Gedanken zog der Mann weiter. "Was ist das für ein Leben",
dachte er bei sich, "die ganze Zeit Steine zu behauen?" Da seine
Verwirrung nun noch größer war, betrachtete er es als ein Glück, als er
wenig später wieder einen Mann da sitzen sah, der emsig auf einen Stein
einschlug, in der gleichen Art wie zuvor der andere Mann. Auf ihn ging
der Wanderer zu und fragte ihn sogleich: "Freund, wozu schlägst du auf
diesen Stein?" - Der Mann, etwas erschrocken von der unerwarteten Frage,
antwortete nach einigem Zögern: "Siehst du nicht, Fremder, ich mache
Ecksteine!"

Betroffen ob seiner Unwissenheit setzte der Wanderer seinen Weg fort.
Die Verzweiflung in ihm wuchs, denn er konnte sich nicht abfinden mit
dem, was er gesehen hatte. Sollte das ganze Glück des Lebens darin
bestehen, Steine zu behauen oder Ecksteine zu machen? In der Sorge
seines Herzens versunken, hätte er beinahe übersehen, dass er wieder an
einem Mann vorbeigekommen war. Auch dieser saß am staubigen Wegrand und
schlug auf einen Stein ein, nach der Art, wie die beiden anderen Männer.
Der Wanderer blieb stehen und prüfte voller Staunen, was dieser Mann
tat. Nachdem er sich überzeugt hatte, dass auch dieser Mann mit
derselben Fertigkeit wieder auf einen Stein einschlug, ging er langsam
auf ihn zu und richtete seine Rede, die er nicht weiter zurückhalten
konnte, an ihn und fragte: "Freund, sag mir: Was ist deine Tätigkeit?
Behaust auch du nur Steine, oder machst du gar Ecksteine?" - "Nein,
Fremder", antwortete der Mann und wischte sich den Schweiß von der
Stirn, "siehst du denn nicht? Ich baue eine Kathedrale!"

gefunden bei: Sinnvoll leben, Alfried Längle, St. Pölten Wien, 1994

*~*~*~*~*

Liebe Lesergemeinde unseres Denk-Mal-Nach-Impulses
aus der St.-Bonifatius-Internetkirche ( klick’ www.funama.de ),

manchmal, mitten in meinem Alltag, geht es mir genau so wie dem Wanderer
aus dieser Geschichte. Von ihm heißt es, dass er um sein Leben nicht
mehr Bescheid weiß, dass er nicht mehr weiß, was er tun soll und wofür.
Dazu braucht es keine „große Krise“. Manchmal kommt einem das eigene
Leben plötzlich vor wie ein „Bild ohne Rahmen“. Freilich: viele Farben
darin, viel Inhalt, aber dennoch ergibt alles keinen großen Sinn.

Ich merke: In meiner Arbeit als Pfarrer sind es besonders die
Jugendlichen, die diese Fragen aussprechen: Was kann mir Halt geben?
Worin besteht der Sinn des Lebens? Gibt es ihn überhaupt? Lohnt es sich
überhaupt, zu suchen? Wäre es nicht besser, einfach das zu tun, was
gerade ansteht, ohne sich große Fragen zu stellen nach dem Woher und
Wohin meines Lebens? Ist nicht Leben ohne Glauben einfacher?

Die kleine Geschichte will uns Mut machen, niemals nur das zu sehen, was
wir gerade im Moment tun, was uns gerade jetzt beschäftigt hält, sondern
weiter zu blicken. Sie spricht eine Einladung aus, selbst im Kleinen
immer auf einen größeren Zusammenhang zu vertrauen, aus dem Gefühl der
Vereinzelung und Unwichtigkeit herauszutreten, nicht nur mich selbst zu
sehen.

Auf die Vision kommt es an! Und ins Christliche gewendet, können wir
dann sagen: Wir alle bauen an einer Kathedrale – wir alle sind
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Reich Gottes!

Freude am „Steine behauen“ – und in allem, was wir tun, Weitblick!,
das wünscht Euch an diesem Sonntag Euer Pfarrer Stefan Lampe aus
Lüneburg

P.S.: Ich habe ein schönes Bild zu dieser Geschichte (von Werner
Küstenmacher) auf meiner Festplatte. Ich maile es Interessenten gerne zu -
schickt mir dazu einfach eine kurze Mail mit dem Betreff "Bild" an meine
Adresse: Pfarramt@t-online.de


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2.
Sozusagen grundlos vergnügt

Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen
Und dass es regnet, hagelt, friert und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit,
Wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und dass Immen summen,
Dass Mücken stechen und dass Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen.
Dass Spatzen schwatzen. Und dass Fische schweigen.

Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht
Und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter,
Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter,
Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.
Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn!
Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn.
Ich freue mich vor allem, dass ich bin.

In mir ist alles aufgeräumt und heiter:
Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt.
An solchem Tag erklettert man die Leiter,
Die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben,
Weil er sich selber liebt - den Nächsten lieben.
Ich freue mich, dass ich mich an das Schöne
Und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt, und neu!
Ich freu mich, dass ich... Dass ich mich freu.

Mascha Kaleko

 

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1. Ein Knick in der Biographie

Kennst du das auch: einen Knick in der Biographie?
Ich meine nicht das übliche Auf und Ab
in den Stürmen des Lebens, daß du dich mal besser,
mal schlechter fühlst, je nach dem Wetterbericht
der Erlebnisse und Gefühle. Nein, ich meine
eine scharfe Kurve, einen Bruch, einen Knick,
wo hinterher alles anders ist als bis dahin.

Der Tod eines lieben Menschen kann solch ein
Einschnitt sein. Oder eine neue Liebe.
Eine Krebsdiagnose, ein Infarkt, eine schwere Operation,
ein heil überstandener Unfall.
Vielleicht auch eine mystische Erfahrung.
Das ist wie eine neue Geburt, einschließlich
Wehen und Freude. Von da an gilt für dich
ein neuer Kalender. Du teilst die Zeit ein:
vor dem Tag X — und nachher.

Du erlebst die Krokusse anders und den ersten Schnee.
Du entdeckst oft überlesene Zeilen
in einem bekannten Gedicht. Eine vertraute
Musik hörst du wie eine Offenbarung. Du feierst
einen Weihnachtsgottesdienst mit, als sei es
zum ersten, zum letzten Mal. Alles bekommt
eine neue Wertigkeit. Kleinigkeiten
werden dir wichtig, Bedeutendes erscheint dir banal.
Prioritäten verschieben sich.

Nichts ist mehr selbstverständlich.
Kennst du das auch?

Aus: Hermann Josef Coenen, Freiheit, die ich meine. Patmos Verlag, Düsseldorf 1995.